Institut für Schädlingskunde

 

 

Dolichoderus quadripunctatus - eine seltene Ameisenart als Holzschädling

 

Die bei uns sehr seltene Ameisenart Dolichoderus quadripunctatus tritt hin und wieder auch als Schädling in Wohngebäuden auf. Hier besiedeln die Tiere zum Beispiel Holzverkleidungen oder Holzbalken in Innenräumen. Wir möchten an dieser Stelle über einen Fall aus dem südhessischen Bickenbach an der Bergstraße berichten, wo sich eine relativ große Kolonie dieser Ameisen in einem ausgebauten Dachgeschoß angesiedelt hatte. Holzzerstörende Ameisenarten wie zum Beispiel die Braune Wegameise (Lasius brunneus) lassen sich mit Fraßködern häufig nicht effektiv bekämpfen, da die handelsüblichen Gelköder von den Tieren oft gar nicht oder nur unzureichend angenommen werden. Dolichoderus quadripunctatus scheint hier eine Ausnahme zu sein. Der von uns angebotene Fraßköder (Maxforce® Quantum) wurde von den Ameisen sofort gierig gefressen. Bei einer Nachkontrolle, die zwei Wochen nach der Bekämpfungsaktion stattfand, wurden Hunderte toter Ameisen gefunden. Lebende Tiere wurden dagegen nicht mehr beobachtet. Es deutet somit alles darauf hin, dass Dolichoderus quadripunctatus gut mit zuckerhaltigen Gelködern bekämpft werden kann.

 

Vier helle Punkte auf dem Hinterleib sind für die Art charakteristisch

Die Ameisenart Dolichoderus quadripunctatus gehört wie die Schwarzkopfameise (Tapinoma melanocephalum) in die Unterfamilie der Drüsenameisen (Dolichoderinae). Charakteristisch für die Art sind vier helle, kreisförmige Flecke auf dem Hinterleib. Hierbei handelt es sich um transparente Bereiche des Chitinpanzers, unter denen der helle Fettkörper sichtbar wird. Diese relativ seltene Ameisenart ist in Deutschland vom Flachland bis in die Mittelgebirge hinein verbreitet. Im Norden von Deutschland ist die Art seltener als im Süden. Lediglich in klimatisch begünstigten Regionen kann Dolichoderus quadripunctatus lokal etwas häufiger auftreten. In der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands wird Dolichoderus quadripunctatus in Kategorie 2 (stark gefährdet) geführt (Seifert, 1998). Die Art besiedelt vor allem Laubgehölze mit alten Bäumen (oft Alteichen) oder Obstgärten und Streuobstwiesen mit alten Apfel-, Kirsch- oder Walnussbäumen. Die Nester befinden sich stets in Bäumen nahe der Stammbasis oder in mehreren Metern Höhe und werden entweder in Totholz oder unter der Borke angelegt. Die Kolonien sind meist recht klein. Die Arbeiterinnen gehen fast ausschließlich auf Bäumen auf Nahrungssuche. Die Art scheint überwiegend tagaktiv zu sein, wobei die Aktivität bei kühleren Temperaturen abnimmt. Vermutlich ernährt sich die Art überwiegend von Insekten. Die Aufnahme von Honigtau, der von Pflanzensaftsaugern wie Blattläusen produziert wurde, ließ sich bislang nicht nachweisen (Seifert, 1996). Eigene Beobachtungen belegen jedoch, dass die Arbeiterinnen sowohl Zuckerlösung, als auch zuckerhaltige Gelköder sehr gern annehmen. Männchen und Weibchen schwärmen von Juli bis September. Da Dolichoderus quadripunctatus ihre Nester in Totholz bzw. unter der Rinde von alten Bäumen anlegt, kommt es hin und wieder vor, dass die Nester auch in verbautem Holz angelegt werden. Unter diesen Umständen muss die Art als Materialschädling angesehen werden.

 

Dolichoderus quadripunctatus Arbeiterinnen

Abbildung 1: Zwei Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus bei der Aufnahme einer Zuckerlösung

 Wohlriechende Hausameise (Tapinoma sessile) Arbeiterin

Abbildung 2: Die Wohlriechende Hausameise (Tapinoma sessile) gehört wie Dolichoderus quadripunctatus in die Unterfamilie der Drüsenameisen (Dolichoderinae)

 


 

Eine Kolonie von Dolichoderus quadripunctatus in einem ausgebauten Dachgeschoß

Mitte Juli 2012 erhielt das Institut für Schädlingskunde eine Ameisenprobe zur Bestimmung eingeschickt, die mehrere Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus enthielt. Die Ameisen waren erstmals im Juni 2012 aufgefallen, als sie in großer Zahl im Dachgeschoß eines älteren Wohnhauses in Bickenbach an der Bergstraße im Fenster- und Deckenbereich herumliefen. Die Bewohnerin des Hauses hatte zur Bekämpfung der Ameisen zunächst Köderdosen mit Celaflor-Ameisenköder (Wirkstoff: Fipronil) und Detia® Ameisen Köder (Wirkstoff: Spinosad) aufgestellt. Diese beiden Köder wurden allerding laut Aussage der Kundin von den Ameisen nicht angenommen. Auch an Lebensmitteln waren die Tiere der Kundin nie aufgefallen. Der Dachstuhl, der von den Ameisen besiedelt worden war, war im Jahr 1990 ausgebaut worden. Beim Bau waren seinerzeit sehr viele Holzteile verwendet worden. Bei einer Ortsbesichtigung durch die Firma Kleinlogel GmbH Schädlingsbekämpfung am 27.7.2012 wurden zahlreiche Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus an der Westseite des Hauses entdeckt. Hier liefen die Tiere auf den Holzbalken der Fensterfront umher (siehe Abbildung 3). Offensichtlich hatten die Ameisen ihr Nest in den Balken angelegt, da sie an mehreren Stellen in kleinen Löchern im Holz verschwanden. Sowohl im Decken- wie auch im Wandbereich war das Holz an mehreren Stellen durch eingedrungenes Wasser geschädigt worden. Es ist anzunehmen, dass erst dieser Wasserschaden den Ameisen eine Besiedlung des Dachstuhls ermöglicht hatte. An der Fassade war das Gebäude zum Teil mit Efeu bewachsen. Außerdem berührten die Blätter und Zweige mehrerer Bäume die Fassade. Bei einem Blick aus dem Fenster konnten Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus dabei beobachtet wurden, wie sie an der Fassade hinauf- und hinunterliefen und in der dichten Vegetation verschwanden (siehe Abbildung 4).

 

Dolichoderus quadripunctatus im Dachgeschoß

Abbildung 3: Ober- und unterhalb der Fenster liefen zahlreiche Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus auf den Holzbalken umher

Dolichoderus quadripunctatus im Dachgeschoß

Abbildung 4: Zur Nahrungssuche suchten die Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus unter anderem den an der Fassade wachsenden Efeu auf

 

 

Bekämpfungsversuch mit einem zuckerhaltigen Gelköder

An einer der viel belaufenen Ameisenstraßen im Fensterbereich wurde versuchsweise ein Tropfen des gelförmigen Fraßköders Maxforce® Quantum mit dem Wirkstoff Imidacloprid ausgebracht. Dieses Produkt wurde von den Ameisen sofort angenommen weshalb der Köder dann an weiteren Stellen, an denen Ameisen herumliefen, appliziert wurde. Rund 15 Minuten nachdem die ersten Tropfen ausgebracht worden waren, fanden sich jeweils rund 10 bis 20 Arbeiterinnen an den Tropfen ein um davon zu fressen.

 

Dolichoderus quadripunctatus tote Arbeiterinnen

Abbildung 5: Der Boden war nach der Bekämpfungsaktion an manchen Stellen großflächig mit toten Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus bedeckt

Dolichoderus quadripunctatus tote Arbeiterinnen

Abbildung 6: Auch im Bereich der Fenster lagen zahlreiche tote Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus

 

 

 

Nachkontrolle der Ameisenbekämpfung

Da die Kundin kurz nach dem Termin in Urlaub fuhr, ergab sich die Gelegenheit zur Nachkontrolle erst am 9.8.2012. 13 Tage nach der Bekämpfungsaktion konnten keine lebenden Ameisen mehr in dem Raum gefunden werden. Dafür lagen auf dem Boden, sowie auf den Holzbalken im Fensterbereich Hunderte von toten Ameisen. Zwischen den Arbeiterinnen wurden auch einige geflügelte Männchen und Weibchen gefunden. Zum Teil fielen Ameisen auch dort aus den Fugen der Holzdecke, an denen beim ersten Termin keine Tiere beobachtet wurden. Dies deutet darauf hin, dass nicht nur der Fensterbereich, sondern auch Teile der Decke von den Gängen und Brutkammern des Ameisenvolkes durchzogen waren. Die nachfolgenden Abbildungen sollen den Erfolg der Bekämpfungsaktion belegen.

 

 

Dolichoderus quadripunctatus tote Arbeiterinnen Maxforce Quantum

Abbildung 7: Der Gelköder war unter anderem dort ausgebracht worden, wo die Arbeiterinnen von Dolichoderus quadripunctatus in den Holzbalken verschwanden

Dolichoderus quadripunctatus tote Arbeiterinnen und Männchen

Abbildung 8: Neben toten Arbeiterinnen wurden vereinzelt auch tote geflügelte Männchen und Weibchen von Dolichoderus quadripunctatus gefunden

 

 

 

Fazit der Bekämpfungsaktion

Dolichoderus quadripunctatus gehört in die Gruppe der holzzerstörenden Ameisenarten. Anders als zum Beispiel die Braune Wegameise (Lasius brunneus) lässt sich diese Ameisenart offensichtlich sehr gut mit Fraßködern bekämpfen. In dem hier geschilderten Fall genügte vermutlich eine einmalige Bekämpfungsaktion mit dem Gelköder Maxforce® Quantum um die Kolonie abzutöten. Ob ein nachhaltiger Bekämpfungserfolg erreicht werden konnte, lässt sich abschließend allerdings erst im kommenden Jahr beurteilen.


 

Hinweis: Dieser Artikel wurde ursprünglich unter dem Titel "Dolichoderus quadripunctatus - eine seltene Ameisenart als Holzschädling" in der DpS-Ausgabe 11/2012 veröffentlicht. Die geschilderte Ameisenbekämpfung wurde von der Fa. Kleinlogel GmbH (Darmstadt) durchgeführt.

 

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