Institut für Schädlingskunde

 

 

Wiederkehrendes Phänomen - Wurmfliegen überwintern im Haus

 

Verschiedene Fliegen-, Wanzen- und Käferarten verbringen den Winter regelmäßig in Gebäuden. Eine dieser Arten ist die Wurmfliege oder cluster fly, die wir hier kurz vorstellen möchten.

Im deutschsprachigen Raum wird Pollenia rudis als Wurmfliege bezeichnet, da sich die Larven dieser Fliegenart parasitisch in Regenwürmern entwickeln. In Nordamerika heißt die Art cluster fly oder buckwheat fly. Die englische Bezeichnung cluster fly bezieht sich auf das Überwinterungsverhalten der Fliegen, die in großen Gruppen in Gebäuden überwintern (cluster = Ansammlung, Gruppe, Schwarm, Verbund). Der Name buckwheat fly (buckwheat = Buchweizen) kommt daher, dass zerdrückte Fliegen einen Geruch abgeben, der an Buchweizen erinnern soll.

Die Wurmfliege ist eine mittelgroße Fliegenart, die eine Körperlänge von rund acht Millimetern erreicht. Genauso wie die Schmeißfliege (Calliphora vicina) und die Goldfliege (Lucilia sericata) gehört sie in die Familie der Schmeißfliegen (Calliphoridae). Die Wurmfliege zeigt auf dem mittleren Körperabschnitt die für die Familie der Schmeißfliegen typischen, kräftigen schwarzen Borsten. Außerdem finden sich hier feinere, goldfarbene Haare. Der Hinterleib der Fliegen zeigt ein Muster aus silbrig-grauen und schwarzen Flecken. Die Larven der Wurmfliege sind typische Fliegenmaden, d. h. weißliche, fußlose Maden.

 

 

 

Bis zu vier Generationen

Die Wurmfliege ist ursprünglich eine europäische Fliegenart, die aber im 19. Jahrhundert an Bord von Schiffen auch nach Nordamerika gelangte. Die erwachsenen Fliegen nehmen Flüssigkeiten auf und sitzen häufig auf Blüten, gärenden Früchten, toten Tieren oder Kot. Nach der Überwinterung legen die Weibchen bis zu 150 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in Spalten im Erdreich ab. Die aus den Eiern schlüpfenden Fliegenmaden suchen aktiv nach Regenwürmern (hauptsächlich Würmer der Art Allolobophora rosea, aber auch andere Regenwurmarten) und dringen durch die Haut der Würmer ein. Im Körperinnern der Regenwürmer ernähren sich die parasitischen Fliegenmaden von Körperflüssigkeit und Gewebe der Würmer. Kurz vor der Verpuppung verlassen die Maden ihren Wirt, um sich im Boden zu verpuppen. Die gesamte Entwicklung vom Ei bis zur adulten Fliege dauert je nach Temperatur zwischen 27 und 39 Tage. Pro Jahr können in Mitteleuropa so bis zu vier Generationen auftreten.

Im Herbst, wenn die Temperaturen zurückgehen und die ersten Nachtfröste auftreten, sammeln sich Wurmfliegen häufig in großer Zahl an Hausfassaden, die von der Sonne angestrahlt werden. Dieses massenhafte Auftreten der Fliegen auf engstem Raum ist auch der Grund für die englische Bezeichnung cluster fly. Durch offene Fenster, kleinste Ritzen in der Fassade, durch Rollladenkästen oder unter Ziegeln hindurch gelangen die Fliegen schließlich auf Dachböden oder auch in das Innere von Gebäuden. Falls die Temperaturen niedrig genug sind, bleiben die Insekten in ihrem Winterquartier inaktiv. An warmen, sonnigen Tagen werden sie aber regelmäßig wieder aktiv und fliegen herum. Eine Vermehrung findet während der Überwinterung allerdings generell nicht statt.

 

Wurmfliege (Pollenia rudis)

Abbildung 1: Die Wurmfliege oder cluster fly wird rund acht Millimeter lang

Wurmfliege (Pollenia rudis)

Abbildung 2: Der Hinterleib der Fliegen zeigt ein Muster aus silbrig-grauen und schwarzen Flecken

 


 

Mehrfach schädlich

In trockenen Räumen sterben die Fliegen rasch ab und dienen dann unter anderem Anthrenus-Arten wie dem Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci) oder dem Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae) als Nahrung.

Sehr unangenehm für die betroffenen Bewohner ist auch, dass die Fliegen ihren Kot an Wänden und auf Möbeln hinterlassen. Die Wurmfliege muss daher besonders bei einem Massenauftreten als Schädling angesehen werden. Aufgrund der Lebensweise der Fliegen kann eine Übertragung von Krankheitserregern wie Bakterien oder Schimmelpilzsporen nicht generell ausgeschlossen werden, obwohl die Wahrscheinlichkeit hierfür weitaus niedriger ist als bei Arten wie der Großen Stubenfliege (Musca domestica) oder der Schmeißfliege (Calliphora vicina).

Oft findet man Wurmfliegen und andere ungebetene Überwinterungsgäste wie Augenfliegen (Musca autumnalis), Halmfliegen (Thaumatomyia notata) oder den Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) in älteren Häusern, wo es den Insekten aufgrund der Bausubstanz leicht gemacht wird, einen Weg ins Innere des Hauses zu finden. Solche Häuser baulich so herzurichten, dass die Fliegen ausgesperrt bleiben, ist meist nicht möglich.

 

Wurmfliege (Pollenia rudis)

Abbildung 3: In Räumen, in denen Wurmfliegen überwintert haben, findet man im Frühjahr häufig tote Fliegen auf den Fensterbänken

Wurmfliege (Pollenia rudis)

Abbildung 4: Von den toten Fliegen können sich unter anderem die Larven des Teppichkäfers oder anderer Anthrenus-Arten ernähren

 

 

Bekämpfung schwierig

Prinzipiell kann man die Fassade des Hauses mit Kontaktinsektiziden die eine Langzeitwirkung besitzen einsprühen, um die an der Fassade sitzenden Fliegen abzutöten. Einen vollständigen Schutz bietet die Maßnahme allerdings nicht – vor allem dann, wenn es bei einer einmaligen Behandlung bleibt.

Einen gewissen Erfolg gewährleistet der Einsatz von UV-Lichtlampen gegen die Fliegen, die bereits in das Haus eingedrungen sind. Besonders wenn keine anderen Lichtquellen vorhanden sind, werden flugaktive Fliegen recht zuverlässig von den Lampen angezogen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, frühzeitig mit der Bekämpfung zu beginnen. Nur so kann vermieden werden, dass die Mehrzahl der Fliegen in ihren Verstecken abstirbt und als Entwicklungsgrundlage für textilschädliche Käferarten wie Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci), Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae) und Museumskäfer (Anthrenus museorum) dient.

 

Wurmfliege (Pollenia rudis)

Abbildung 5: Besonders bei einem massenhaften Auftreten muss die Wurmfliege als Schädling angesehen werden

Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci)

Abbildung 6: Textilschädlinge wie der Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci) können tote Fliegen auf dem Dachboden als Entwicklungsgrundlage nutzen

 

 

 

 

 

Hinweis: Dieser Beitrag ist ursprünglich in der September-Ausgabe 2013 des DpS (Fachzeitschrift für Schädlingsbekämpfung) veröffentlicht worden. Autoren: Dr. Martin Felke & Björn Kleinlogel).

 

Mehr Informationen zu Fliegen die im Haus überwintern

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