Institut für Schädlingskunde

 

 

Der Haussperling als potenzieller Gesundheitsschädling

 

Haussperling - Zusammenfassung:

Obwohl der Haussperling fast weltweit verbreitet und im Vergleich zu vielen anderen Vogelarten alles andere als selten ist, steht er in Deutschland doch unter besonderem Schutz. Für den Schädlingsbekämpfer bedeutet dies, dass Bekämpfungs-Aktionen nur mit behördlicher Genehmigung erfolgen dürfen. Der vorliegende Artikel, der ursprünglich im DpS veröffentlicht wurde, gibt einen Einblick in die Biologie des Haussperlings, fasst die rechtliche Situation zum Schutzstatus des Haussperlings zusammen und informiert über potenzielle Gesundheitsgefahren, die von Haussperlingen ausgehen.

 

Der Haussperling ist weltweit verbreitet

Passer domesticus (Linnaeus, 1758), der Haussperling, ist eine ursprünglich paläarktisch-orientalische Art, die von der Ausdehnung des Getreideanbaus profitiert hat und im Gefolge des Menschen alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis besiedeln konnte. Der Haussperling fehlt lediglich in Teilen Nordsibiriens und Chinas, in Japan, Südost-Asien, im tropischen Afrika, in West-Australien, sowie in den größten Teilen Amazoniens. In manchen Gebieten, wie z. B. in Nordamerika wurde der Haussperling bewusst eingebürgert, andere Gegenden erreichten Haussperlinge als blinde Passagiere auf Schiffen. Der Haussperling ist ein typischer Kulturfolger mit einer auffälligen Bindung an menschliche Lebensräume. In Deutschland ist Passer domesticus in den meisten Siedlungen verbreitet. Außerhalb von Städten, Ortschaften und landwirtschaftlichen Einzelgehöften scheint der Haussperling in der offenen Landschaft als Brutvogel zu fehlen. In von Wald vollständig umgebenen Siedlungen kommt der Haussperling selbst in höheren Lagen vor. Nicht vom Menschen besiedelte Waldgebiete werden dagegen strikt gemieden. Optimalhabitate für Passer domesticus sind bäuerliche Siedlungen und landwirtschaftliche Einzelgehöfte in der Agrarlandschaft, sowie Altbauviertel in Städten mit Gärten und Parkanlagen. In den Kernzonen der Großstädte sind meist nur noch Restpopulationen vorhanden. In Streuobstwiesen, die am Ortsrand liegen, brüten Haussperlinge noch regelmäßig. Brutvorkommen abseits von Ortschaften sind dagegen die absolute Ausnahme. Außerhalb der Brutzeit sucht der Haussperling vor allem die Ackerfluren auf, ferner Brachen und Streuobstwiesen. Aber auch zu dieser Zeit, besonders aber im Winter, sind menschliche Siedlungen die Hauptlebensräume des Haussperlings. In den Mittelgebirgen sowie in den Alpen kommt der Haussperling in Höhen von über 1.000 m nur noch sehr vereinzelt vor. Selbst in ganzjährig besiedelten Orten ist die Zahl der Brutpaare gering. Kleine, bäuerlich geprägte Ortschaften weisen eine wesentlich höhere Siedlungsdichte auf als Städte. So wurden beispielsweise in dem kleinen baden-württembergischen Ort Klepsau 1962 fast 77 Brutpaare pro 10 ha ermittelt. In Stuttgart-Botnang lag die Populationsdichte von Passer domesticus dagegen bei lediglich 13 Brutpaaren pro 10 ha.

 

Haussperling (Passer domesticus)

Abbildung 1: Männchen (hinten) und Weibchen (vorn) des Haussperlings (Passer domesticus)

Haussperling (Passer domesticus)

Abbildung 2: Der Haussperling (Passer domesticus) ist ein weltweit verbreiteter Kulturfolger

 

 

Haussperling - Fortpflanzung

Die Brutperiode beginnt in Deutschland Ende März und endet in der Regel im September. Die Brutplätze werden je nach Witterung zwischen Mitte Februar und Anfang April besetzt. Ein Teil der Haussperlinge hält sich aber auch ganzjährig am Brutplatz auf. Gebrütet wird vorwiegend an Gebäuden innerhalb oder am Rande von Siedlungen. Als Neststandorte dienen vor allem nicht zu hohe Wohnhäuser, Stallgebäude und Scheunen wobei die Nester in Mauerlöchern, unter Dachrinnen oder unter Dachverkleidungen angelegt werden. Daneben werden auch Nistkästen, sowie die Nester von Mehl- und Rauchschwalben genutzt. Regelmäßig finden sich Haussperlinge auch als Untermieter in den Nestern des Weißstorchs. In seltenen Fällen tritt der Haussperling auch als Freibrüter auf, wobei in erster Linie Laubbäume in Siedlungsnähe genutzt werden. Die Haupt-Nestbauzeit beginnt Anfang April und erstreckt sich bis in den August hinein. Das kugelförmige Nest von Passer domesticus hat einen seitlichen Eingang. Der Rohbau, der oft die gesamte Bruthöhle oder Brutnische ausfüllt, wird aus dürren Grashalmen und Stroh relativ grob und dicht gebaut. Die Nestmulde wird mit Federn, Wolle und feinen Halmen ausgekleidet.

Pro Jahr werden drei Bruten aufgezogen. Das erste Gelege wird vor allem Ende April bis Anfang Mai, das zweite Gelege überwiegend Anfang bis Mitte Juni und das dritte Gelege im Juli bzw. August produziert. Die Gelegegröße liegt meist bei vier bis fünf Eiern. Die Variationsbreite der Brutdauer ist erstaunlich groß und umfasst 10 bis 22 Tage. Die mittlere Brutdauer liegt bei 15 Tagen. In Baden-Württemberg wurden Schlüpftermine zwischen dem 12.4. und dem 13.8. registriert. Die Mediane der einzelnen Jahresbruten liegen auf dem 14.5. für die Erstbruten, auf dem 24.6. für die Zweitbruten und auf dem 30.7. für die Drittbruten. Ähnlich wie die Brutdauer variiert auch die Nestlingszeit sehr stark. Die jungen Haussperlinge verbleiben zwischen 11 und 20 Tagen im Nest, der Mittelwert liegt bei 14 Tagen. Nach dem Ausfliegen werden die Nachkommen noch zwei bis maximal drei Wochen von den Eltern gefüttert. Anschließend scharen sich die Jungvögel in kleineren bis größeren Trupps zusammen und verlassen das engere Brutgebiet weitgehend. In einer Untersuchung aus Baden-Württemberg wurde für 92 Vollgelege eine Schlüpfrate von 79 %, sowie ein Bruterfolg (Prozentsatz der flügge gewordenen Jungvögel) von 58 % ermittelt. Haussperlinge werden gewöhnlich Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif. Üblicherweise führen die Vögel eine monogame Dauerehe und halten an einem einmal gewählten Nistplatz fest. Außereheliche Kopulationen kommen dennoch regelmäßig vor, wie DNA-Untersuchungen beweisen. Der Anteil von Nestlingen, der auf Kopulationen mit einem fremden Partner zurückgeht, liegt beim Haussperling zwischen acht und 14 %.

 

 

Haussperling (Passer domesticus) Männchen

Abbildung 3: Der Haussperling (Passer domesticus) ist ein typischer Kulturfolger

Haussperling (Passer domesticus) Weibchen

Abbildung 4: Weibliche Haussperlinge (Passer domesticus) sind weniger kontrastreich gefärbt als die Männchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Deutschland gehen die Bestände des Haussperlings zurück

Der Haussperling ist in Deutschland zum größten Teil Standvogel und nur in geringem Ausmaß Kurzstreckenzieher. An den Wanderbewegungen sind vor allem Jungvögel beteiligt. Im Anschluss an die Brutzeit bilden sich aus den Familienverbänden eines Bereichs Schwärme von mehreren Hundert Individuen, die auf den Feldern gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Bei Kontrollen beringter Haussperlinge konnten 96 % der Individuen bis zu zehn Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt wieder gefunden werden. Nur 4,3 % der Tiere zog bis zu 545 Kilometer weit weg. Seit den 1950er Jahren sind die Bestände des Haussperlings in Deutschland stark rückläufig. Ein Vergleich der Brutbestände am Bodensee ergab 1980 einen Gesamtbestand von 59.108 Revieren. 10 Jahre später hatte sich diese Zahl um 22 % auf nur noch 46.029 Brutreviere verringert. Auch langfristig gesehen erscheint die Bestandsentwicklung von Passer domesticus in Deutschland negativ. Die Ursachen für diesen Rückgang sind in den strukturellen Veränderungen im Habitat des Haussperlings zu suchen, die in den letzten 40 Jahren stattgefunden haben. Zu nennen sind vor allem die Aufgabe kleinbäuerlicher Betriebe, die Asphaltierung von Straßen sowie die Renovierung von Gebäuden und Änderungen in der Bauweise, die den Vögeln weniger Brutmöglichkeiten übrig lassen. Die Veränderungen im Siedlungsbereich führten neben den fehlenden Nistmöglichkeiten auch zum Schwinden der Nahrungsgrundlage. Auch in anderen europäischen Staaten nahm die Populationsdichte des Haussperlings seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts mehr oder weniger stark ab. So gingen zum Beispiel in Dänemark die Bestände von 1975 bis 1985 um 50 % zurück. Im Jahr 1986 wurde der weltweite Bestand von Passer domesticus auf 500 Millionen Individuen geschätzt. Für Nord- Mittel- und Westeuropa nahm man eine Zahl von 40 bis 55 Millionen Tieren an.

 

Haussperling - Aussehen und Lebensraum

Männliche Haussperlinge sind kontrastreich gezeichnet. Die Oberseite des Körpers ist braun und weist dunkle Längsstreifen auf. Der Nacken ist rotbraun, die Kopfplatte grau. Ein dunkles Band verläuft bei Passer domesticus vom Schnabel über das Auge bis in den Nacken. Kehle und Brust sind schwarz befiedert, der Rest der Körperunterseite sowie die Wangen sind dagegen hellgrau gefärbt. Die Flügel ziert eine weiße Binde. Die Weibchen sind insgesamt unscheinbar grau beige gezeichnet. Auf der Körperoberseite verlaufen dunkle Streifen, die Unterseite ist dagegen ungestreift. Vom Auge zum Nacken erstreckt sich ein sehr schmaler, dunkler Streifen. Die Färbung der Jungvögel ähnelt der Weibchenfärbung. Das Durchschnittsgewicht der Männchen liegt bei 30 bis 32 Gramm, das der Weibchen bei 30 Gramm. Adulte Haussperlinge der Nominatform sind mit Beginn ihrer ersten Brutperiode extrem Ortstreu. Ihr Aktionsradius betrug in einer Stadtrandpopulation während der Brutzeit 50, außerhalb der Brutzeit 200 Meter. Vergleichbare Werte für eine ländliche Population waren 400 bzw. 600 Meter.

Die Mehrzahl der Jungvögel siedelt sich im Umkreis von ein bis zwei Kilometer um ihren Geburtsort an. Voraussetzung für Brutbiotope sind ganzjährige Verfügbarkeit von Sämereien und Getreideprodukten, Nischen und Höhlen an Gebäuden oder zumindest das Vorkommen von Bäumen oder Sträuchern als Nistmöglichkeiten. Darüber hinaus ist das Vorhandensein von Grünflächen sehr wichtig, auf denen die Insektennahrung für die Jungvögel gesammelt werden kann. Optimal für den Haussperling sind Dörfer mit Landwirtschaft, Vorstadtbezirke, Stadtzentren mit ausgedehnten Parkanlagen, zoologische Gärten sowie Vieh- und Geflügelfarmen. In ländlichen Habitaten Mitteleuropas wurden für den Haussperling schon Populationsdichten von bis zu 214 Brutpaaren pro zehn Hektar registriert. Regelmäßig wird von außergewöhnlichen Lebensräumen des Haussperlings berichtet. An der nördlichen Verbreitungsgrenze von Passer domesticus verbringen Haussperlinge regelmäßig den kompletten Winter innerhalb von Gebäuden, Viehzuchtbetrieben, Fabrikanlagen und Getreidesilos. Stabile, langjährige Populationen sind auch aus Flughafengebäuden und Kohlebergwerken mit mehrjährigem Aufenthalt bis zu 640 Meter unter der Erde bekannt geworden.

 

Der Haussperling als potenzieller Krankheitsüberträger

Haussperlinge sind häufig mit Salmonellen, Colibakterien, Kokzidien, Blutparasiten, Schimmel- und Hefepilzen, sowie mit zahlreichen Viren wie dem Erreger der Ornithose infiziert. Besonders Nestlinge von Passer domesticus weisen häufig einen Befall mit Colibakterien, Mikrokokken, Streptokokken und Staphylokokken, Salmonellen sowie Pilzen auf. In Texas spielt der Haussperling eine Rolle bei der Ausbreitung der Enzephalitis. Die Lebenserwartung von Haussperlingen liegt im Freiland bei nur zwei bis drei Jahren. In Gefangenschaft können Haussperlinge dagegen mehr als 14 Jahre alt werden. Der Hauptfeind des Haussperlings ist der Sperber. Weitere Prädatoren sind Waldkauz, Schleiereule, Elster, Eichelhäher, Rabenkrähe und Wanderratte.

 

Der Haussperling lebt gesellig

Haussperlinge leben das ganze Jahr über sozial. Fortpflanzung, Nahrungserwerb, Ruhen, Singen, Gefiederpflege, Baden, Sandbaden und Aufsuchen der Brutkolonie auch außerhalb der Fortpflanzungsperiode erfolgen stets in der Gruppe. Es wird kein Brut- oder Nahrungsrevier verteidigt, sondern lediglich die nächste Umgebung des Nestes bzw. des winterlichen Schlafplatzes. Haussperlinge baden das ganze Jahr über, im Winter allerdings nur an frostfreien Tagen. Staubbäder folgen üblicherweise dem Bad im Wasser oder wechseln mit diesem ab. Die Bewegungen in kleinen Mulden sind hier ähnlich wie beim Wasserbad. Wasser-, Staub- und Sonnenbäder, sowie die daran anschließende Gefiederpflege gehören zum Sozialverhalten von Passer domesticus und werden zum Teil in Gruppen von bis zu 200 Individuen ausgeführt. Insbesondere beim Nahrungserwerb zeigen Haussperlinge eine fast unglaubliche Lern- und Anpassungsfähigkeit. So existieren Berichte von Haussperlingen, die drei Rolltreppen tief in der Londoner U-Bahn nach Nahrung suchten. Andere öffneten an einer Bushaltestelle durch Flattern vor dem Photosensor die automatische Tür zum Warteraum. Weit verbreitet ist das Absuchen des Kühlergrills von parkenden Autos nach toten Insekten. Weibchen von Passer domesticus sind generell wachsamer und scheuer als die Männchen. Die Fluchtdistanz steigt mit abnehmender menschlicher Siedlungsdichte, sowie mit der Truppgröße. Bei Versuche in Halle-Gartenstadt zeigten einzelne Männchen eine mittlere Fluchtdistanz von 7,8 Meter, einzelne Weibchen von 8,9 Meter und Trupps von 8,1 Meter. Männchen erscheinen fast immer früher am Futter als die Weibchen und gehen auch leichter in Fallen. Nach Netzfang an Futterstellen ist mit Erfolgen an derselben Stelle bis auf weiteres nicht zu rechnen.

 

Haussperling - Ernährungsweise

Der Haussperling ernährt sich überwiegend vegetarisch. Nur während der Fortpflanzungszeit wird vermehrt auch proteinreichere, tierische Nahrung aufgenommen. Gegenüber unbekannter Nahrung zeigen Haussperlinge äußerste Zurückhaltung. In ländlichen Gegenden machen Getreidesamen (vor allem Weizen, Hafer und Gerste) 75 % der Nahrung aus. Regional und saisonal können auch Samen von Wildkräutern und –gräsern eine wichtige Nahrungskomponente darstellen (unter anderem Weißer Gänsefuß, Vogelmiere, Beifuß oder Löwenzahn). Neben Samen werden regelmäßig auch grüne Pflanzenteile von Löwenzahn, Kohl, Vogelmiere o. a. sowie Gras verzehrt. Im Frühjahr frisst der Haussperling außerdem Knospen, junge Blätter und Blüten. Ferner werden regelmäßig Kerne und Fruchtfleisch von Beeren und Früchten wie Holunder, Traubenkirsche oder Erdbeere aufgenommen. Auch Baumsamen von Pappel, Birke, Ulme, Kiefer und Fichte spielen bei der Ernährung des Haussperlings eine Rolle. Manche Haussperlinge ernähren sich auch von Küchenabfällen, Brot, gekochten Kartoffel- und Gemüseresten sowie von Geflügel- und Viehfutter. Tierische Nahrung kann bei Passer domesticus im Frühjahr und Sommer 15 bis 30 %, im Herbst ca. 5 % des Gesamtbedarfs erreichen. Im Winter ist dieser Nahrungsbestandteil sogar noch geringer. Am häufigsten erbeuten Haussperlinge Blattläuse, Spinnen sowie Larven, Puppen und Imagines von Zweiflüglern (Dipteren), Hautflüglern (Hymenopteren) und Käfern (Coleopteren). Dieses Futter erhalten auch die Nestlinge während der ersten Lebenstage. Im Laufe des Heranwachsens nimmt der vegetabilische Anteil an der Nestlingsnahrung bis auf ein Drittel zu.

 

Haussperling - Rechtliche Bestimmungen

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 39, Stand 25.3.2002, sind wildlebende Tiere und deren Biotope geschützt. Laut § 41 ist es verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Darüber hinaus ist es untersagt die Lebensstätten dieser Tierarten ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Alle in Deutschland vorkommenden, frei lebenden Tierarten unterliegen diesem allgemeinen Schutz. Für die meisten Arten gelten noch weitaus strengere Schutzvorschriften, sie werden in den Kategorien „besonders geschützte Art“ bzw. „streng geschützte Art“ geführt. Nach § 42 BNatSchG ist es verboten wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Ferner ist es untersagt, wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören. Ein Verstoß gegen diese Schutzbestimmungen kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 65 BNatSchG). Ausnahmen und Befreiungen von den Schutzbestimmungen dürfen nur von den zuständigen Behörden für Naturschutz und Landschaftspflege ausgesprochen werden (§ 62 BNatSchG). Für den Haussperling als frei lebende, europäische Vogelart gelten somit ganz besonders strenge Schutzbestimmungen. In der Praxis bedeutet dies, dass jegliche Bekämpfungsmaßnahmen gegen Haussperlinge genehmigungspflichtig sind. Einzelfall-Genehmigungen zum Lebendfang oder Abtöten von Haussperlingen können zum Beispiel in Hessen die Unteren Naturschutzbehörden erteilen.

 

Literaturverzeichnis

Blotzheim von, U. N. G. & Bauer, K. M. (1997): Handbuch der Vögel Europas. Band 14/I – Passeriformes (5. Teil). Aula-Verlag, Wiesbaden. 303 Seiten.

Hölzinger, J. (1997): Die Vögel Baden-Württembergs. Band 3.2 – Singvögel 2. Ulmer-Verlag, Stuttgart. 939 Seiten.

 

Glossar

Adultus, adult: lateinisch; Adultus - Erwachsener, geschlechtsreifes Tier; adult - erwachsen. Der Gegensatz wird als juvenil bezeichnet.

DNA: Jede Zelle beinhaltet den kompletten Bauplan eines Organismus - das „Erbgut“. Diese Informationen liegen in chemischer Form als Molekülkette vor, die DNA oder Desoxyribonukleinsäure genannt wird.

Imago: Bei Insekten wird die geschlechtsreife Adultform als Imago bezeichnet.

Median: Der Begriff Median stammt aus der Statistik. Es handelt sich um den mittelsten Wert nach einer Rangordnung. Sortiert man eine Reihe von Messwerten der Größe nach, so ist der Wert, der in der Mitte dieser Reihe liegt, der Median. Im Gegensatz zum arithmetischen Mittelwert (Durchschnitt) verändert sich der Median durch einzelne Extremwerte kaum. So ist der Median der Zahlenreihen 1,2,3,4,5 und 1,2,3,4,100 jeweils 3. Der Mittelwert ist im ersten Fall ebenfalls 3, bei der zweiten Reihe verschiebt der "Ausreißer" 100 den Mittelwert auf 22.

Monogamie: Einehe. Gegensatz: Polygamie.

Nominatform: Treten im Verbreitungsgebiet einer Tier- oder Pflanzenart Unterarten auf, so wird an den Gattungs- und Artnamen noch ein dritter Name für die Unterart angefügt. Für die Nominatform wird der Artname dann wiederholt. Hier: Passer domesticus domesticus.

Orientalis: Die Erde ist in sogenannte tiergeographische Regionen eingeteilt (d. h. in einer Region kommen bestimmte Tierarten zusammen vor): Orientalis ist die Bezeichnung für Vorder- und Hinterindien, Sri Lanka, Süd-China, Taiwan, Große Sundainseln und die Philippinen.

Paläarktis: Eurasien und N-Afrika bilden zusammen die Paläarktis.

Prädator: lat.: Freßfeind

Standvogel: Standvögel sind Vögel, die im Gegensatz zu Zugvögeln das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleiben.

 

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