Institut für Schädlingskunde

 

 

Der Maulwurf im Spannungsfeld zwischen Schädlingsbekämpfung und Naturschutz

Zur Zeit sind sie wieder überall auf Wiesen und Rasenflächen zu sehen. Während wohl jeder die sog. Maulwurfshügel kennt, dürften dagegen die wenigsten Menschen dem Erbauer dieser Erdhaufen – dem Maulwurf – schon einmal live begegnet sein, was in erster Linie auf die unterirdische Lebensweise dieses kleinen Säugetiers zurückzuführen ist.

 

Maulwurf - Lebensweise

Talpa europaea – der europäische Maulwurf – gehört wie auch Spitzmäuse und Igel zu den Insektenfressern. Maulwürfe leben unterirdisch in selbst gegrabenen Höhlensystemen und weisen eine ganze Reihe interessanter Anpassungen an den Lebensraum Boden auf. Besonders kennzeichnend ist die zur Grabhand umgebildete Vorderextremität. Der Maulwurf besitzt einen walzenförmigen Körper, der Kopf von Talpa europaea spindelförmig verlängert (s. Abbildung 1).

 

Maulwurf (Talpa europaea)

Abbildung 1: Der Maulwurf (Talpa europaea) ist perfekt an seine unterirdische Lebensweise angepasst

 

Maulwurf - Aussehen

Außenliegende Körperanhänge wie Ohrmuscheln fehlen dem Maulwurf. Augen und Ohröffnungen liegen in speziellen Hautfalten verborgen und sind so bestens vor Bodenpartikeln geschützt. Die Augen von Talpa europaea sind sehr klein und vermutlich nur noch zur Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden befähigt. In ihrem dunklen Gangsystem orientieren sich Maulwürfe in erster Linie mit Hilfe des Tastsinns. Die an das Graben angepassten Beine sind relativ kurz und kräftig.

Die Kopf-Rumpflänge schwankt bei ausgewachsenen Maulwürfen zwischen 113 und 159 mm. Die Schwanzlänge von Talpa europaea beträgt 19-45 mm, das Gewicht liegt zwischen 47 und 128 g. Das Gebiss besteht aus 44 Zähnen, je 22 in Ober- und Unterkiefer. Der Maulwurf kommt vom gemäßigten Europa bis nach West-Asien vor. Bevorzugt werden tiefgründige, humusreiche Böden in Tal-Lagen, in denen der Maulwurf genügend Regenwürmer findet. Als sehr anpassungsfähige Art besiedelt der Maulwurf aber auch Feuchtwiesen mit hohem Grundwasserstand, Laub- und Mischwälder, Parks, trockene und sandige Kiefernheiden sowie intensiv bewirtschaftetes Kulturland mit Gärten und Äckern. Die Reviergröße von Talpa europaea hängt weitgehend vom Nahrungsangebot ab. In optimalen Biotopen wie Laubwäldern oder Wiesen beträgt die Reviergröße lediglich 300-400 qm. Dagegen benötigen Maulwürfe in Biotopen mit wenigen Nahrungstieren bis zu 5.000 qm große Reviere. Die Populationsdichte des Maulwurfs hängt in erster Linie vom Nahrungsangebot ab und kann im Jahresverlauf, bzw. zwischen einzelnen Jahren stark schwanken. In naturnahen Laubwäldern können 3-6 Tiere pro ha leben, auf Wiesenflächen liegt die Populationsdichte Talpa europaea bei 8-16 Individuen/ha.

 

Maulwurf - Aktivitätszeiten

Maulwurfsgänge fungieren als „Fallgrubenstrecken“, in denen sich Beutetiere bei horizontalen und vertikalen Wanderungsbewegungen durch die Bodenschichten sammeln. Nach Fertigstellung eines Gangsystems, das den Revierinhaber mit ausreichend Nahrung versorgt, wird in der Regel nur noch in geringem Umfang gegraben. Im Jahresverlauf bewegen sich die Temperaturen im Gangsystem zwischen – 2°C und + 20°C. Bei fallenden Temperaturen verlängern sich die Aktivitätszeiten und die Ruhepausen werden kürzer. Liegen die Temperaturen im Bau unterhalb von 16-18°C, so bauen Maulwürfe in der Nestkammer ein Nest aus wärmeisolierenden Blättern, in das sie sich während der Ruhepausen zurückziehen. Der Maulwurf ist das ganze Jahr über aktiv. Eine Winterruhe findet nicht statt.

 

Maulwurf - Bau von Maulwurfshaufen

Erde, die beim Graben des Gangsystems anfällt, wird entweder in die Gangwände gepresst, oder aber als Maulwurfshügel nach außen befördert. Die meisten Hügel sind klein und besitzen lediglich einen Durchmesser von 10 cm. Daneben sind aber auch sog. „Riesenhügel“ von 1,5 m Durchmesser und 1 m Höhe bekannt, die von zahlreichen Gängen durchzogen sind und mehrere, unterschiedlich alte Nestkammern enthalten können. Bei der Entstehung eines 20 cm hohen Hügels konnten unter Laborbedingungen innerhalb von 3 Wochen 628 einzelne Erdtransporte beobachtet werden. Das Volumen eines einzelnen Transportvorgangs entsprach dabei lediglich dem Inhalt von 1-2 Esslöffeln.

 

Maulwurf - Ernährung

Maulwürfe fressen von Waldameisen bis jungen Mäusen alles was sie erreichen können. In erster Linie werden Beutetiere gesammelt, die in das unterirdische Röhrensystem gelangt sind. Daneben wird aber auch aktiv nach Beute gegraben wie z. B. nach den Larven von Wiesenschnaken, die an den Wurzeln von Gräsern oder Getreide fressen. Eher selten sucht der Maulwurf auch oberirdisch nach Nahrung. Generell werden Beutetiere mit Hilfe von Geruchs- und Tastsinn aufgespürt. Der Maulwurf ernährt sich überwiegend von Regenwürmern und verschiedenen Insektenlarven (wie z. B. Engerlingen oder Drahtwürmern). Häufig legen Maulwürfe in ihrem Gangsystem Nahrungsspeicher an, in denen v. a. Regenwürmer aufbewahrt werden, die durch das Zerbeißen von Kopfsegmenten bewegungsunfähig gemacht wurden. In Einzelfällen wurden bis zu 800 Würmer in derartigen Nahrungsspeichern gefunden. Maulwürfe können ihren Flüssigkeitsbedarf i. d. R. vollständig über die Nahrung abdecken. Trinkende Individuen Talpa europaea wurden nur selten beobachtet.

 

Maulwurf - Fortpflanzung

Die Paarungszeit von Talpa europaea erstreckt sich von Ende Februar bis Anfang Mai. Während die Weibchen auch in dieser Phase ihr Revier nicht verlassen, dehnen die Männchen ihre Territorien stark aus und begeben sich auf die Suche nach paarungswilligen Weibchen. Maulwürfe sorgen nur einmal im Jahr für Nachwuchs. Jungtiere werden im Alter von 10 Monaten geschlechtsreif und pflanzen sich somit erstmals im Frühjahr nach ihrer Geburt fort. Normalerweise werden 3 bis 4 Junge geboren. Die Tragzeit beträgt 4 Wochen. Nach der Geburt leben die Jungen für 6-10 Wochen im Revier ihrer Mutter. Im Alter von 5 Wochen verlassen sie erstmals das Aufzuchtsnest und unternehmen Ausflüge in das Gangsystem. In den Monaten Juni bis August begeben sie sich auf die Suche nach eigenen Territorien. Im Freiland werden Maulwürfe meist nicht älter als 3 Jahre. In Gefangenschaft können sie bis zu 5 Jahre alt werden.

 

Maulwurf - Rechtliche Bestimmungen

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 39, Stand 25.3.2002, sind wildlebende Tiere und deren Biotope geschützt. Der europäische Maulwurf wird als besonders geschützte Tierart in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) aufgeführt. Nach § 42 BNatSchG ist es verboten wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Ein Verstoß gegen diese Schutzbestimmungen kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 65 BNatSchG). Ausnahmen und Befreiungen von den Schutzbestimmungen dürfen nur von den zuständigen Behörden für Naturschutz und Landschaftspflege ausgesprochen werden (§ 62 BNatSchG). Dies bedeutet, dass Lebendfang oder Abtöten von Maulwürfen genehmigungspflichtig sind. Einzelfall-Genehmigungen zur Durchführung von Bekämpfungsaktionen gegen Maulwürfe können z. B. in Hessen die Unteren Naturschutzbehörden erteilen.

 

Maulwurf (Talpa europaea) Maulwurfshügel

Abbildung 2: Auf Sportrasenflächen stellen die Hügel des Maulwurfs (Talpa europaea) nicht nur ein optisches Problem dar

 

Der Maulwurf als Schädling bzw. Lästling

Der Maulwurf ist in den meisten Fällen eher als Lästling denn als Schädling zu bezeichnen. I. d. R. stellen Maulwurfshaufen ein optisches Problem dar, wenn sie in Gärten oder Parks auf Zierrasenflächen auftauchen. Vor allem in Gartenbaubetrieben kann Talpa europaea aber auch als Schädling auftreten, wenn er seine Gänge in oberflächennahen Bodenschichten anlegt und durch den entstandenen Wurzelschaden insbesondere Jungpflanzen absterben. Eine Verschmutzung des Grassilageschnitts durch Erde von Maulwurfshügeln kann schwere Erkrankungen des Viehs hervorrufen. In Großbritannien wurden die von Maulwürfen verursachten jährlichen Schäden für die Milchwirtschaft Ende der 1980er Jahre auf 2,5 Millionen £ geschätzt. Auf Sportrasenflächen stellen Maulwurfshügel nicht nur ein optisches Problem dar (s. Abb. 2). Durch das Anlegen der unterirdischen Gangsysteme kann es zu einem Einsacken der Erde kommen, was in den schlimmsten Fällen zu schweren Verletzungen bei sporttreibenden Personen führen kann.

 

Maulwurf - Möglichkeiten der Vertreibung bzw. Bekämpfung

Die meisten Methoden wie Maulwürfe angeblich vertrieben werden können sind absolut unwirksam. Andere verstoßen sogar gegen rechtliche Bestimmungen, da der Maulwurf letztendlich getötet wird. Wissenschaftlich unbewiesen ist die Behauptung, dass bestimmte Pflanzen wie die Kaiserkrone Maulwürfe und Wühlmäuse vertreiben. Das gleiche gilt für Flaschen oder Ultraschall-Geräte, die in den Boden eingegraben werden. Aufgrund der ausgedehnten Gangsysteme hilft es nichts Wasser oder Jauche in die Gänge einzuleiten. Wenig beeindruckt zeigen sich Maulwürfe durch Lärm. Die Einleitung von Autoabgasen in die Gänge ist rechtswidrig, da dies den Maulwurf töten kann. Aus den gleichen Gründen ist es strafbar mit chemischen Stoffen getränkte Lappen in den Gängen zu deponieren. Auch die Anwendung der im Handel erhältlichen röhrenförmigen Fallen zum Lebendfang von Maulwürfen und Wühlmäusen ist nicht tierschutzgerecht. Werden diese Fallen nicht stündlich kontrolliert, so besteht die Gefahr, dass ein gefangener Maulwurf verhungert bzw. erfriert.

 

Maulwurf - eine tierschutzgerechte Maulwurfsfalle

Da bislang keine Methode zur Verfügung stand Maulwürfe im Einklang mit den bestehenden rechtlichen Bestimmungen wirksam zu bekämpfen, entwickelte das INSTITUT FÜR SCHÄDLINGSKUNDE eine Falle zum Lebendfang von Maulwürfen, die den natur- und tierschutzrechtlichen Anforderungen genügt. Mittlerweile liegen erste Praxiserfahrungen mit dieser Falle vor, so dass im folgenden Aufbau und Einsatz des Fanggeräts präsentiert werden können. Zunächst muss das unterirdische Gangsystem des Mauwurfs geöffnet werden und der zur eigentlichen Falle führende flexible Plastikschlauch in den Gang eingeschoben werden. Der Gang lässt sich relativ leicht finden, indem man einen Maulwurfshügel vorsichtig abträgt. Durch den Plastikschlauch gelangt der Maulwurf dann in die oberirdisch stehende Falle, in der sich neben Futter auch Nistmaterial befindet. Beides benötigt Talpa europaea um nicht bis zur nächsten Kontrolle der Falle zu verhungern bzw. zu erfrieren. Um ein Zurücklaufen des Maulwurfs in das Gangsystem zu verhindern, ist zwischen Plastikschlauch und dem eigentlichen Fangbehälter eine Klappe angebracht, die nur nach innen zu öffnen ist. Als Futter für den Maulwurf eignen sich Regenwürmer. Sehr gute Erfahrungen wurden auch mit den Raupen der Wintersaateule gemacht. Ein Teil der Futtertiere sollten auch in dem Plastikschlauch deponiert werden um den Maulwurf zu der Falle zu locken. Decke und Seitenteile des Holzkästchens weisen Luftlöcher auf, die für ausreichende Frischluftzufuhr sorgen. Die folgenden Abbildungen zeigen die vom INSTITUT FÜR SCHÄDLINGSKUNDE entwickelte Maulwurfsfalle im Einsatz.

 

Maulwurf (Talpa europaea) Maulwurfsfalle

Abbildung 3: Die vom Institut für Schädlingskunde entwickelte Falle zum tierschutzgerechten Fang von Maulwürfen (Talpa europaea) im Einsatz

Maulwurf (Talpa europaea) Maulwurfsfalle

Abbildung 4: Das Innere der Falle ist mit trockenem Heu gefüllt. Der Maulwurf (Talpa europaea) hat so die Möglichkeit ein wärmeisolierendes Schlafnest zu bauen

Aus Schutz vor Regen sollten die Fallen mit Plastikplanen abgedeckt werden. Die Fallen müssen unbedingt zweimal täglich (morgens und abends) kontrolliert werden. Gefangene Maulwürfe sollten am besten in einem naturnahen Laubwald wieder freigelassen werden, da sie hier die besten Überlebenschancen haben. Während des Transports empfiehlt es sich die Tiere in einen mit trockenem Laub gefüllten Eimer zu setzen. Maulwürfe, die sich nicht verstecken können, sind einem immensen Stress ausgesetzt.


Bei der hier vorgestellten Maulwurfsfalle handelt es sich um einen Prototyp, der von uns auf seine Tauglichkeit getestet wurde (natürlich lag eine Ausnahmegenehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde vor). Diese Maulwurfsfalle kann weder von uns noch von einer anderen Stelle bezogen werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass entsprechende Anfragen aus Zeitgründen nicht beantwortet werden können.


Das INSTITUT FÜR SCHÄDLINGSKUNDE führt regelmäßig Seminare über Schädlinge durch, die rechtlich besonders geschützt sind. Neben dem Maulwurf werden hier auch Haussperling (Passer domesticus) und Siebenschläfer (Glis glis) behandelt. Sie erfahren etwas über die Lebensweise dieser Tierarten, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen bei durchzuführenden Bekämpfungsmaßnahmen. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter der Rubrik Schulungen

 


Steckbriefe wichtiger Schädlinge