Institut für Schädlingskunde

Backobstmilben



Hier erfahren Sie alles Wissenwerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen von Backobstmilben (Carpoglyphus lactis)



Wissenschaftliche Bezeichnung: Carpoglyphus lactis (LINNAEUS, 1758)

 

Backobstmilben - Aussehen: Wie alle Milben ist auch die Backobstmilbe weitläufig mit Spinnen und Skorpionen verwandt und wird in die Gruppe der Spinnentiere (Chelicerata) eingeordnet. Ihr rund 0,4 Millimeter langer, lang ovaler Körper ist weitgehend transparent. Beine und Mundwerkzeuge von Carpoglyphus lactis sind dagegen leicht rötlich gefärbt. Die wenigen Borsten auf dem Körper der Backobstmilbe sind glatt und relativ kurz. Nur am Hinterende der Milben stehen zwei Paar deutlich längere Schwanzborsten. Die rund 0,1 Millimeter langen Eier erscheinen direkt nach der Ablage weiß gefärbt und glänzend. Wenn sich die Milbenlarven in ihnen entwickeln werden sie immer durchsichtiger. Die aus dem Ei schlüpfende Larve von Carpoglyphus lactis weist als einziges Jugendstadium lediglich drei Beinpaare auf. Die späteren Entwicklungsstadien der Milben werden als Nymphen bezeichnet. Sie haben vier Beinpaare und ähneln auch sonst bereits weitgehend den adulten Backobstmilben. Bei Übervermehrung treten so genannte Wandernymphen auf. Im Gegensatz zu den normalen Nymphen, die kaum umherwandern, können die Wandernymphen auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen vergleichsweise weite Strecken zurücklegen.

 

 
Abbildung 1: Backobstmilben (Carpoglyphus lactis) sind weltweit verbreitete Schädlinge an verschiedenen Vorräten  

 

 

Backobstmilben - Verbreitung und Verhalten: Backobstmilben sind weltweit verbreitete Vorratsschädlinge. In Trockenfrüchten, die einen Gehalt von vierzig bis sechzig Prozent Glucose oder Saccharose aufweisen, können sich Backobstmilben optimal entwickeln. Die Weibchen von Carpoglyphus lactis legen bis zu 270 Eier direkt am Nahrungssubstrat der Larven ab. Die Eier können sich bei Temperaturen zwischen drei und 35°C, sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von mehr als siebzig Prozent, bzw. bei einer Substratfeuchte von mindestens 17 % entwickeln. An Bäckerhefe kann der komplette Entwicklungszyklus bei einer Temperatur von 25°C bereits nach neun bis elf Tagen abgeschlossen sein. Innerhalb von rund zwei Wochen kann sich eine Backobstmilben-Population unter solchen Bedingungen um den Faktor 110 vergrößern. An Trockenpflaumen ist immer noch ein Populationswachstum um das 35-fache möglich. Bei Temperaturen zwischen fünf und 15°C verlängert sich der Entwicklungszyklus von Carpoglyphus lactis auf mehrere Wochen. Die Weibchen können unter günstigen Bedingungen ein Alter von mehr als einem Monat erreichen. Bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit (siebzig bis neunzig Prozent relative Luftfeuchte) können die erwachsenen Milben bis zu einem Monat ohne Nahrung auskommen. Oft werden Backobstmilben im Haarkleid von Hausmäusen (Mus musculus domesticus) oder Wanderratten (Rattus norvegicus) verschleppt. Eine Verbreitung von Carpoglyphus lactis ist auch durch den Kot dieser Schadnager möglich, da die Eier der Backobstmilbe den Darmkanal der Nager passieren können ohne geschädigt zu werden.

 

 

Backobstmilben - Schadpotenzial: So wie Pflaumenmilben (Lepidoglyphus destructor), Käsemilben (Tyrolichus casei) oder Mehlmilben (Acarus siro) gelten auch Backobstmilben als Hygieneschädlinge und Vorratsschädlinge. Carpoglyphus lactis befällt hauptsächlich süße Trockenfrüchte, Fruchtsäfte, Wein, Honig, Bienenpollen, Kakaobohnen, Erdnüsse und Käse, aber auch andere Vorräte. Vor allem an getrockneten Früchten ist ein Befall mit diesen Lebensmittelmilben aber nur schwer nachzuweisen, da die Milben vor allem das Innere der Früchte besiedeln. Befallene Lebensmittel werden durch den Kot und die bei der Häutung zurückbleibenden leeren Häute von Larven und Nymphen verunreinigt. Außerdem treten vor allem an Trockenfrüchten Fäulnisprozesse auf. An Marmelade, die mit Backobstmilben befallen ist, treten Gärprozesse auf und es bilden sich Milchsäure und Essigsäure. In Weinfässern findet man die Backobstmilbe hauptsächlich an süßen Weinen an der Oberfläche des Weins wo die Milben eine schwimmende Kahmhaut bilden.

 

Backobstmilben - Bekämpfen: Um einen Backobstmilben-Befall von Nahrungsmitteln oder Lagergut gar nicht erst entstehen zu lassen, sollte die Ware trocken gelagert werden. Backobstmilben und andere vorratsschädigende Milbenarten können trockene Bedingungen nicht tolerieren. Zur direkten Bekämpfung von Backobstmilben in Silos oder Nahrungsmittel-Lagern können verschiedene gasförmige Akarizide wie Stickstoff, Kohlendioxid oder Phosphorwasserstoff eingesetzt werden. Um auch die besonders unempfindlichen Dauernymphen erfolgreich zu bekämpfen, muss die Behandlung im Abstand von zwei Wochen wiederholt werden. Für eine biologische Bekämpfung der Backobstmilbe steht die Getreideraubmilbe (Cheyletus eruditus) zur Verfügung.

 

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