Institut für Schädlingskunde

Reismotte

 

Hier erfahren Sie alles Wissenwerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen der Reismotte (Corcyra cephalonica)

 

Wissenschaftliche Bezeichnung: Corcyra cephalonica (STAINTON, 1866)

 

Reismotte - Aussehen: Genauso wie die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella), die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) oder die Speichermotte (Ephestia elutella) gehört auch die Reismotte innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera) der Familie der Zünsler (Pyralidae) an. Vom Habitus her ähnelt die Reismotte der Speichermotte (Ephestia elutella). Die Imagines erreichen eine Flügelspannweite zwischen 14 und 24 mm, wobei die Männchen kleiner bleiben als die Weibchen. Die Färbung der schmalen und stark zugespitzten Vorderflügel variiert zwischen mausgrau und einem fahlen Gelb. Die spärlich behaarten Larven der Reismotte haben eine weißliche bis gelbliche Färbung. Lediglich die Kopfkapsel, sowie die Tergite des ersten Thorakalsegments sind dunkel gefärbt. Nach mehreren Häutungen wachsen die Larven auf eine Länge von bis zu 15 mm heran. Die bräunlich gefärbte Puppe von Corcyra cephalonica hat eine Größe von 15 × 4 mm und ruht in einem weißen Kokon, den das letzte Larvenstadium produziert hat.

 

   
Abbildung 1: Falter der Reismotte (Corcyra cephalonica)
  Abbildung 2: Die Reismottenlarven (Corcyra cephalonica) sind nur spärlich behaart  

 

   
Abbildung 3: Die bräunlich gefärbte Puppe der Reismotte (Corcyra cephalonica)
  Abbildung 4: Die Speichermotte (Ephestia elutella) ähnelt der Reismotte  

 

 

Reismotte - Verbreitung und Verhalten: Die Reismotte ist besonders in den Tropen weit verbreitet. Ihr Vorkommen erstreckt sich über das Mittelmeergebiet, Indien, Sri Lanka, Java, Sudan, Brasilien und Mexiko bis in die USA. Mit Lebensmittelimporten wird die Reismotte häufig auch nach England, Frankreich und Deutschland eingeschleppt. Eine dauerhafte Ansiedlung dieser Wärme liebenden Art hat in Mitteleuropa allerdings bisher wohl noch nicht stattgefunden. Im Laufe ihres Lebens legen die Weibchen ca. 400 ovale, weiße Eier ab, die eine Größe von 0,5 × 0,3 mm haben. Nach ca. fünf Tagen schlüpfen aus den Eiern weißliche Raupen. Sie leben auf dem Nahrungssubstrat in einer mit Kot bedeckten Gespinströhre. Unter tropischen Klimabedingungen dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Falter bei Corcyra cephalonica etwa sieben Wochen.

 

Reismotte - Schadpotenzial: Die Reismotte befällt besonders geschälten Reis, aber auch andere Getreidearten, Mais, Trockenfrüchte, Kakaobohnen, Kopra, Baumwollsamen, Erdnüsse, Mehl, Schokolade, Zwieback, Bohnen und Gewürze. Besonders bei Massenbefall richtet Corcyra cephalonica durch die Fraßtätigkeit der Larven, sowie durch die Verunreinigung von Nahrungsmitteln mit Kot, Spinnfäden, Larvenhäuten und leeren Puppenhüllen erhebliche wirtschaftliche Schäden an. Durch die Abgabe von Spinnfäden werden Nahrungsmittel mit Gespinsten überzogen und somit für den menschlichen Verzehr unbrauchbar gemacht.

 

 

Reismotte - Bekämpfen: Zur Befallsermittlung können Pheromonfallen eingesetzt werden, mit deren Hilfe männliche Reismotten angelockt werden. Der Einsatz von Pheromon-Klebefallen ermöglicht es den Aufbau der Mottenpopulation zu verfolgen. Aus den gewonnenen Daten lässt sich der sinnvolle Beginn von Bekämpfungsmaßnahmen ableiten. In Speichern wurde zur Bekämpfung der Reismotte früher das leichtflüchtige Kontaktinsektizid Dichlorvos eingesetzt, das mittlerweile in der EU keine Zulassung nach Biozidrecht mehr besitzt. Ziel der Bekämpfungsmaßnahmen waren vor allem die herumfliegenden Falter. Meist wurden sog. Insektenstrips eingesetzt, die den Wirkstoff über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg an die Raumluft abgaben. Alternativ konnte Dichlorvos auch mit Nebelautomaten in den zu behandelnden Räumen verteilt werden. In Laborexperimenten konnten Mais und Sonnenblumenkerne durch eine Behandlung mit Spinosad, Pyrethroiden, sowie einer Kombination von Pirimiphos-methyl und Pyrethroiden wirksam vor einem Befall mit der Reismotte geschützt werden. Auch die Empfindlichkeit der Reismotte gegenüber niedrigen Temperaturen könnte bei Bekämpfungsmaßnahmen genutzt werden. In Laborexperimenten setzte man Eier und Larven der Reismotte unterschiedlich lange relativ niedrigen Temperaturen aus. Eier, die für zehn Stunden einer Temperatur von –10°C, für 10 Tagen einer Temperatur von 0°C, oder aber für 15 Tagen einer Temperatur von 5°C ausgesetzt wurden, starben zu 100 % ab. Auch Raupen des ersten Larvalstadiums, die für zwei Stunden einer Temperatur von –10°C bzw. für fünf Tage einer Temperatur von 5°C ausgesetzt wurden, starben komplett ab. Weizenmehl, das Eier und verschiedene Larvalstadien der Reismotte aufwies, wurde 5 Tage lang bei 0°C oder aber 15 Tage lang bei 5°C aufbewahrt. Dies führte zum Absterben sämtlicher Entwicklungsstadien, so dass sich keine Reismottenfalter mehr entwickeln konnten.

 

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