Institut für Schädlingskunde

 

 

Hausmutter (Noctua pronuba)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Hausmutter (Noctua pronuba).

 

Wissenschaftlicher Artname der Hausmutter: Noctua pronuba (LINNAEUS, 1758)

 

Hausmutter - Erkennen

Es handelt sich bei der Hausmutter um einen mittelgroßen bis großen Nachtfalter, der eine Flügelspannweite von 45 bis 60 Millimeter aufweist. Das Aussehen von Noctua pronuba ist recht variabel, da die Hausmutter in drei verschiedenen Phänotypen auftreten kann. Der Phänotyp 1 ergibt nahezu einfarbig dunkelbraune Männchen und rotbraune Weibchen. Im zweiten Phänotyp von Noctua pronuba sind die Männchen gelbbraun mit einer intensiven, dunkelbraunen Zeichnung. Weibchen des zweiten Phänotyps sind einfarbig gelbbraun. Die Weibchen des dritten und seltensten Phänotyps sind nahezu einfarbig grau, die Männchen grau mit einer kontrastreichen, dunkelbraunen Zeichnung. Wesentlich auffälliger sind die gelben Hinterflügel der Hausmutter. Diese gelbe Färbung wird als Schreckfärbung interpretiert. Normalerweise werden die auffällig gefärbten Hinterflügel von den eher unscheinbar gefärbten Vorderflügeln verdeckt. Wird Noctua pronuba jedoch von einem Fressfeind angegriffen und zum Beispiel von einem Vogel angepickt kann der Falter ruckartig die Flügel öffnen und durch den Überraschungsmoment Zeit zur Flucht gewinnen.

 

Hausmutter (Noctua pronuba)

Abb. 1: Die Hausmutter (Noctua pronuba) ist ein nachtaktiver Schmetterling, der von künstlichen Lichtquellen angelockt wird und so im Sommer häufig in Wohnungen gelangt

Hausmutter (Noctua pronuba)

Abb. 2: Die Hinterflügel der Hausmutter (Noctua pronuba) sind gelb gezeichnet

Große Wachsmotte (Galleria mellonella)

Abb. 3: Die Große Wachsmotte (Galleria mellonella) besitzt wie die Hausmutter (Noctua pronuba) dunkel gefärbte Deckflügel

 

 

Hausmutter - Vorkommen und Lebensweise

Die zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae) gehörende Hausmutter besiedelt ganz Europa, Nordafrika sowie Vorderasien und kommt in Russland bis Novosibirsk vor. Es handelt sich um einen recht häufigen Schmetterling, der von der Ebene bis in die Mittelgebirge auftritt. Noctua pronuba bringt grundsätzlich nur eine Generation pro Jahr hervor. Die Falter der Hausmutter schlüpfen in der Regel ab Anfang Juni und leben bis Ende September oder Anfang Oktober. Vor allem während eines heißen Sommers lässt die Aktivität der Falter stark nach. Man spricht in solchen Fällen von einer Dormanzperiode. Die Eier werden meist in den Monaten August und September und somit zum Ende der Flugperiode an Grasblüten, Halmen, Stängeln und vertrockneten Doldenblüten abgelegt, die die Krautschicht überragen. Die Gelege von Noctua pronuba bestehen aus bis zu mehreren Hundert Eiern und werden wohl vermutlich hauptsächlich nachts abgelegt. Nach dem Schlupf verzehren die Räupchen an windstillen Tagen oft erst die Eihülle, bevor sie sich vom Gelege abseilen. Werden sie hierbei von einem Windstoss erfasst, so können sie meterhoch in die Luft gewirbelt werden, bevor sie vom Wind fort getragen werden. Im ersten Larvalstadium sind die Raupen der Hausmutter noch ausschließlich, im zweiten überwiegend tagaktiv. Vom dritten Stadium ab sind sie nachtaktiv und verstecken sich tagsüber am Boden. Die Raupen von Noctua pronuba stellen bei dieser Art das Überwinterungsstadium dar. Die Verpuppung der Larven findet erst im darauf folgenden Jahr statt. Es handelt sich bei der Hausmutter um eine sehr anpassungsfähige Schmetterlingsart, die in den meisten naturnahen und kultivierten Landschaften vorkommt. Die Raupen von Noctua pronuba ernähren sich von einer großen Zahl krautiger Pflanzen wie zum Beispiel Wiesen-Sauerampfer, Löwenzahn oder Brennnessel. Daneben werden auch Gräser wie zum Beispiel Wiesen-Schwingel oder Wiesen-Knäuelgras aber auch Kulturpflanzen wie Raps oder Kohl verzehrt. Die Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen. Vor allem im Herbst ernährt sich die Hausmutter aber auch vom Saft der an Fallobst austritt. Die Falter von Noctua pronuba sind primär nachtaktiv und fliegen Lichtquellen an. Auf diese Weise gelangen sie auch häufig in Hauser, was der Hausmutter ihren deutschen Trivialnamen eingebracht hat.

 

 

Hausmutter - Schadwirkung

Die Hausmutter gilt nicht als Schädling, da die Tiere weder Krankheiten übertragen noch Vorräte befallen. Durch ihr Verhalten nachts Lichtquellen anzufliegen können die relativ großen Falter allerdings bei Menschen, die unter einer Insektenphobie leiden, Angstzustände auslösen. In diesen besonderen Fällen ist die Hausmutter als Lästling einzustufen.

 

Hausmutter - Bekämpfung

Durch das Anbringen von Fliegengittern an Fenstern und Türen kann wirkungsvoll verhindert werden, dass nachtaktive Schmetterlinge, wie zum Beispiel Noctua pronuba, in Wohnungen eindringen können. Die Falter der Hausmutter kann man mit Hilfe von Insektiziden wie Pyrethrum oder den davon abgeleiteten synthetischen Pyrethroiden bekämpfen. Die Insektizide werden direkt auf die Falter gesprüht, die davon nachhaltig geschädigt werden. Nach dem Einsatz dieser Insektizide müssen die Räume gründlich gelüftet werden.

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Hausmutter (Noctua pronuba).

 

 

Ähnliche Schädlingsarten

Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)

Eichenblattwespe (Periclista lineolata)

Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea)

Getreidemotte (Sitotroga cerealella)

Große Wachsmotte (Galleria mellonella)

Großer Frostspanner (Erannis defoliaria)

Großer Kohlweißling (Pieris brassicae)

Hausmutter (Noctua pronuba)

Hornmotte (Ceratophaga vastella)

Kleidermotte (Tineola bisselliella)

Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata)

Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae)

Kohlmotte (Plutella xylostella)

Kornmotte (Nemapogon granellus)

Maiszünsler (Ostrinia nubilalis)

Mehlmotte (Ephestia kuehniella)

Pelzmotte (Tinea pellionella)

Pinienprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa)

Reismotte (Corcyra cephalonica)

Samenmotte (Hofmannophila pseudospretella)

Schwammspinner (Lymantria dispar)

Speichermotte (Ephestia elutella)

Tapetenmotte (Trichophaga tapetzella)

Tropische Speichermotte (Ephestia cautella)

Weißgraues Flechtenbärchen (Eilema caniola)

Wintersaateule (Agrotis segetum)

 

 

Steckbriefe weiterer Schädlingsarten