Institut für Schädlingskunde

 

 

Hausmutter

 

Wissenschaftlicher Artname der Hausmutter: Noctua pronuba (LINNAEUS, 1758)

 

Wie sieht die Hausmutter aus? Es handelt sich bei der Hausmutter um einen mittelgroßen bis großen Nachtfalter, der eine Flügelspannweite von 45 bis 60 mm aufweist. Das Aussehen der Tiere ist recht variabel, da die Art in drei verschiedenen Phänotypen auftreten kann. Der Phänotyp 1 ergibt nahezu einfarbig dunkelbraune Männchen und rotbraune Weibchen. Im zweiten Phänotyp von Noctua pronuba sind die Männchen gelbbraun mit intensiven dunkelbraunen Zeichnungen. Weibchen des zweiten Phänotyps sind einfarbig gelbbraun. Die Weibchen des dritten und seltensten Phänotyps sind nahezu einfarbig grau, die Männchen grau mit einer kontrastreichen, dunkelbraunen Zeichnung. Wesentlich auffälliger sind die gelben Hinterflügel, die als Schreckfärbung interpretiert werden. Normalerweise werden die auffällig gefärbten Hinterflügel von den eher unscheinbar gefärbten Vorderflügeln verdeckt. Wird der Falter jedoch von einem Fressfeind angegriffen und z. B. von einem Vogel angepickt kann er ruckartig die Flügel öffnen und durch den Überraschungsmoment Zeit für die Flucht gewinnen.

 

 
Abb. 1: Die Hausmutter (Noctua pronuba) ist ein nachtaktiver Schmetterling, der von künstlichen Lichtquellen angelockt wird und so im Sommer häufig in Wohnungen gelangt   Abb. 2: Die Hinterflügel der Hausmutter (Noctua pronuba) sind gelb gezeichnet

 

Wo lebt die Hausmutter? Die zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae) gehörende Art besiedelt ganz Europa, Nordafrika sowie Vorderasien und kommt in Russland bis Novosibirsk vor. Es handelt sich um einen recht häufigen Schmetterling, der von der Ebene bis in die Mittelgebirge auftritt. Noctua pronuba bringt grundsätzlich nur eine Generation pro Jahr hervor. Die Falter schlüpfen in der Regel ab Anfang Juni und leben bis Ende September oder Anfang Oktober. Vor allem während eines heißen Sommers lässt die Aktivität der Falter stark nach. Man spricht in solchen Fällen von einer Dormanzperiode. Die Eier werden meist in den Monaten August und September und somit zum Ende der Flugperiode an Grasblüten, Halmen, Stängeln und vertrockneten Doldenblüten abgelegt, die die Krautschicht überragen. Die Gelege bestehen aus bis zu mehreren Hundert Eiern und werden wohl vermutlich hauptsächlich nachts abgelegt. Nach dem Schlupf verzehren die Räupchen an windstillen Tagen oft erst die Eihülle, bevor sie sich vom Gelege abseilen. Werden sie hierbei von einem Windstoss erfasst, so können sie meterhoch in die Luft gewirbelt werden, bevor sie vom Wind fort getragen werden. Im ersten Larvalstadium sind die Räupchen noch ausschließlich, im zweiten überwiegend tagaktiv. Vom dritten Stadium ab sind sie nachtaktiv und verstecken sich tagsüber am Boden. Die Raupen stellen bei dieser Art das Überwinterungsstadium dar. Die Verpuppung findet erst im darauf folgenden Jahr statt. Es handelt sich bei der Hausmutter um eine sehr anpassungsfähige Art, die in den meisten naturnahen und kultivierten Landschaften vorkommt. Die Raupen ernähren sich von einer großen Zahl krautiger Pflanzen wie z. B. Wiesen-Sauerampfer, Löwenzahn oder Brennnessel. Daneben werden auch Gräser wie z. B. Wiesen-Schwingel oder Wiesen-Knäuelgras aber auch Kulturpflanzen wie Raps oder Kohl verzehrt. Die Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen. Vor allem im Herbst ernähren sie sich aber auch vom Saft der an Fallobst austritt. Die Falter sind primär nachtaktiv und fliegen Lichtquellen an. Auf diese Weise gelangen sie auch häufig in Hauser, was der Art den deutschen Trivialnamen eingebracht hat.

 

Welche Schäden richtet die Hausmutter an? Die Hausmutter gilt nicht als Schädling, da die Tiere weder Krankheiten übertragen noch Vorräte befallen. Durch ihr Verhalten nachts Lichtquellen anzufliegen können die relativ großen Falter allerdings bei Menschen, die unter einer Insektenphobie leiden, Angstzustände auslösen. In diesen besonderen Fällen ist die Hausmutter als Lästling einzustufen.

 

Wie kann man Nachtfalter wie die Hausmutter aussperren? Durch das Anbringen von Fliegengittern an Fenstern und Türen kann wirkungsvoll verhindert werden, dass nachtaktive Schmetterlinge, wie zum Beispiel die Hausmutter, in Wohnungen eindringen können. Hinweise wie sie die Hausmutter direkt bekämpfen können, finden Sie auf unserer Extraseite Motten bekämpfen.

 

Hier erfahren Sie noch mehr Wissenswertes über die Hausmutter (Noctua pronuba).

 

 

Informationen zu Hausungeziefer, Vorratsschädlingen, Hygieneschädlingen, Lästlingen und Pflanzenschädlingen

 

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