Institut für Schädlingskunde

 

 

Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida).

 

Wissenschaftlicher Artname der Mauerseglerlausfliege: Crataerina pallida (Latreille, 1811)

 

Mauerseglerlausfliege - Erkennen

Die Mauerseglerlausfliege gehört innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera) in die Familie der Lausfliegen (Hippoboscidae) und ist nah mit der Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis) verwandt. Der Körper von Crataerina pallida ist dorsoventral abgeflacht. Dies ermöglicht es diesen blutsaugenden Ektoparasiten im Gefieder von Mauerseglern ohne große Mühe an die Basis der Vogelfedern zu gelangen um hier Blut zu saugen. Das Exoskelett der Mauerseglerlausfliege ist recht kräftig ausgebildet und schützt die Parasiten davor von ihren Wirtsvögeln mit dem Schnabel zerquetscht zu werden. Crataerina pallida ist nicht in der Lage zu fliegen. Zwar besitzt diese Lausfliegenart Flügel, allerdings sind diese stark reduziert. Die durchsichtigen Flügel sind dreieckig, ungefähr dreimal so lang wie breit und am Ende zugespitzt. Sie erreichen eine Länge von vier bis 4,5 Millimeter. Kurze und kräftige schwarze Borsten finden sich vor allem auf dem mittleren Körperabschnitt (Thorax) und auf dem Hinterleib (Abdomen), aber auch auf dem Kopf und den Beinen. Diese Haare können sich vermutlich hervorragend an den Widerhaken der Federn einhaken. Dies ermöglicht es den Mauerseglerlausfliegen, sich fest im Gefieder der Mauersegler zu verankern. Die langen Beine von Crataerina pallida enden mit jeweils drei scharfen Krallen, mit denen sich diese Lausfliegen hervorragend im Gefieder ihrer Wirtsvögel festhalten können. Weibliche Mauerseglerlausfliegen sind generell etwas größer als die Männchen. Walker & Rotherham (2010) vermaßen in einer Untersuchung insgesamt 15 weibliche und 14 männliche Mauerseglerlausfliegen, die zuvor Blut aufgenommen hatten. Die Körperlänge der weiblichen Individuen betrug 7,43 ± 0,455 Millimeter, während die Männchen mit 7,16 ± 0,49 Millimeter etwas kleiner blieben. Auf den ersten Blick ähnelt Crataerina pallida einem kleinen Stern oder einer Spinne, da die langen Beine vom Körper abgespreizt werden. Die Färbung der Tiere ist hellbraun bis dunkelbraun. Nachdem die Mauerseglerlausfliegen Blut gesaugt haben, ist ihr Hinterleib beträchtlich angeschwollen und weist eine hell- bis dunkelgraue Färbung auf. Direkt nach einer Blutmahlzeit ist der Hinterleib dieser Ektoparasiten dunkelrot.

 

Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida)

Abb. 1: Die Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida) lebt als blutsaugender Ektoparasit in den Nestern des Mauerseglers (Apus apus)

Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida)

Abb. 2: Der Körper der Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida) ist dorsoventral abgeflacht

 

 

Mauerseglerlausfliege - Vorkommen und Lebensweise

Die Mauerseglerlausfliege lebt als blutsaugender Ektoparasit auf Mauerseglern (Apus apus) bzw. in den Nestern dieser Vogelart. Vermutlich kommt die Mauerseglerlausfliege überall dort vor, wo auch Mauersegler brüten. Der Lebenszyklus von Crataerina pallida ist genau auf den Brutzyklus des Mauerseglers abgestimmt. Die Parasiten überwintern im Puppenstadium und schlüpfen im Frühjahr, wenn die Mauersegler aus ihren afrikanischen Winterquartieren nach Europa zurückkehren. Im Jahr 2007 beobachteten Walker & Rotherham (2010), dass die ersten Mauerseglerlausfliegen am 15. Mai schlüpften, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Mauersegler mit der Eiablage beschäftigt waren. Im darauffolgenden Jahr der Untersuchung schlüpften die Mauerseglerlausfliegen vor dem dritten Juni aus ihren Puppenhüllen, also kurz bevor die jungen Mauersegler schlüpften. Der Schlupf-Zeitpunkt aus der Puppenhülle wird unter anderem auch von der Temperatur beeinflusst, wie Laboruntersuchungen von Walker & Rotherham (2010) belegen. Generell schlüpfen die Männchen von Crataerina pallida etwas eher aus den Puppenhüllen als die Weibchen. Mauerseglerlausfliegen paaren sich im Nest ihrer Wirtsvögel oder in unmittelbarer Nähe des Nestes. Die Larven entwickeln sich einzeln im Uterus der Weibchen und werden mit speziellen Drüsensekreten ernährt (Baker, 1967). Diese Form der Entwicklung wird auch als adenotrophische Viviparie bezeichnet - Crataerina pallida ist somit eine lebendgebärende Insektenart. Larven, die das dritte Larvalstadium erreicht haben, werden von den Weibchen entweder unter dem Nest der Mauersegler, oder aber in dessen unmittelbarer Nähe abgesetzt. Direkt nachdem die Larven aus dem Uterus des Weibchens entlassen wurden, verpuppen sie sich (Baker, 1967). Der Schlupf aus der Puppenhülle erfolgt erst im darauffolgenden Frühjahr. Wie lange die erwachsenen Mauerseglerlausfliegen leben können ist ebenso wenig bekannt wie die Anzahl der Nachkommen pro Weibchen. Von anderen Lausfliegenarten ist bekannt, dass die Lebensdauer der adulten Fliegen rund sechs bis acht Wochen beträgt und die Weibchen in diesem Zeitraum 12 bis 15 Larven produzieren können. Einzelne Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Parasitierungsrate von Mauerseglern bzw. den Nestern dieser Vögel mit Mauerseglerlausfliegen recht hoch ist. Über die gesamte Brutsaison hinweg stellten Tompkins et al. (1996) in Mauerseglernestern eine durchschnittliche Parasitierungsrate von 67 % fest. Die Vögel selbst waren zu 34,4 % parasitiert (Hutson, 1981). Diese vergleichsweise hohen Parasitierungsraten sind damit zu erklären, dass Mauersegler Jahr für Jahr immer wieder zu ihrem gewohnten Brutplatz zurückkehren. Wenn die Vögel im Frühjahr aus ihren afrikanischen Überwinterungsquartieren zurückkehren, sind sie nachweislich nicht von Mauerseglerlausfliegen befallen. Walker & Rotherham (2010) zählten in einem einzigen Mauerseglernest bis zu 27 Individuen von Crataerina pallida. Die durchschnittliche Anzahl von Mauerseglerlausfliegen pro Nest betrug 3,64 ± 2,65 Individuen. In einer anderen Kolonie, in der die Nester der Mauersegler jedes Jahr nach Beendigung der Brutsaison entfernt werden, war die Anzahl der Parasiten pro Nest dagegen deutlich geringer (Lee & Clayton, 1995).

 

Mauerseglerlausfliege - Schadwirkung

Die Mauerseglerlausfliege ist ein blutsaugender Ektoparasit, der fast ausschließlich Mauersegler (Apus apus) befällt. Gelegentlich kann aber auch der Mensch von Mauerseglerlausfliegen befallen werden. Dies kommt vor allem dann vor, wenn die Mauersegler ihr Nest verlassen haben und die Parasiten auf der Suche nach einem neuen Wirtsorganismus durch geöffnete Fenster in das Haus eindringen. Laut den Angaben von Sellenschlo (2007) sind die Bisse von Crataerina pallida für den Menschen sehr schmerzhaft. An den Bissstellen entstehen stark juckende Quaddeln. Der Juckreiz hält rund eine Woche lang an. Nach Untersuchungen von Kemper (1951) saugen Mauerseglerlausfliegen alle fünf Tage Blut. Dabei nehmen die Weibchen durchschnittlich 38 mg Blut auf, während sich die etwas kleineren Männchen mit 23 mg Blut begnügen. Bekanntermaßen können Lausfliegen verschiedene Arten aus den Gattungen Trypanosoma und Haemoproteus übertragen (Baker, 1967; Bize et al., 2005). Es handelt sich hierbei um parasitische Einzeller, die sich unter anderem im Blut ihrer Wirte entwickeln. Eine Reihe von Trypanosomen- und Haemoproteusarten sind humanpathogen. Lausfliegen aus der Gattung Crataerina könnten durchaus als Vektoren dieser humanpathogenen Einzeller in Frage kommen (Soulsby, 1968).

 

Mauerseglerlausfliege - Bekämpfung

Probleme mit Mauerseglerlausfliegen gibt es häufig dann, wenn diese Parasiten aus leeren Nestern des Mauerseglers in Wohnungen eindringen und die dort lebenden Personen stechen. Da der Mauersegler (Apus apus) eine streng geschützte Vogelart ist, dürfen die Nester dieser Vögel nicht ohne behördliche Genehmigung entfernt werden. Falls Mauerseglerlausfliegen über einen längeren Zeitraum in die Wohnung kommen, sollte man sich daher zuerst immer an die Untere Naturschutzbehörde wenden, bevor man irgendwelche Maßnahmen ergreift. Um zu verhindern, dass Crataerina pallida ins Haus eindringt, kann die Fassade im Umkreis von Rollladenkästen oder Fensterbänken mit Insektensprays behandelt werden. Hierbei sollten Insektizide mit Langzeitwirkung verwendet werden. Auch das Anbringen von doppelseitigem Klebeband rund um das Fenster kann verhindern, dass Mauerseglerlausfliegen oder andere Vogelparasiten wie die Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis), die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), die Taubenzecke (Argas reflexus) oder die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) in Wohnungen gelangen und dort den Menschen stechen können.

 

Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida) Krallen

Abb. 3: Mit ihren langen und scharfen Klauen können sich Mauerseglerlausfliegen (Crataerina pallida) hervorragend im Gefieder ihrer Wirtsvögel festhalten

Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis)

Abb. 4: Die Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis) hat eine ganz ähnliche Lebensweise wie die Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida)

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida).

 

Ähnliche Schädlingsarten

Bettwanze (Cimex lectularius)

Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum)

Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)

Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis)

Schwalbenwanze (Oeciacus hirundinis)

Taubenzecke (Argas reflexus)

 

Steckbriefe weiterer Schädlingsarten