Institut für Schädlingskunde

 

 

Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Blatta orientalis (Orientalische Schabe).

 

Wissenschaftlicher Artname der Orientalischen Schabe: Blatta orientalis LINNAEUS, 1758

 

Orientalische Schabe - Erkennen

Die Orientalische Schabe ist einfarbig dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die Weibchen von Blatta orientalis können eine Größe von 22 bis 30 Millimeter erreichen, während die Männchen mit 21 bis 25 Millimeter etwas kleiner bleiben. Die Geschlechter sind auch an der unterschiedlichen Flügelform gut zu unterscheiden. Während die Weibchen der Orientalischen Schabe nur noch winzige Flügelreste besitzen, bedecken die Flügel der Männchen immerhin zwei Drittel des Hinterleibs (s. Abb. 1 und 2). Beide Geschlechter sind nicht in der Lage zu fliegen. Die von den weiblichen Schaben gebildete Eikapsel (Oothek) hat eine Größe von zehn mal fünf Millimeter und ist erst rotbraun, später aber fast schwarz gefärbt (s. Abb. 3).

 

Orientalische Schabe (Blatta orientalis) Weibchen

Abb. 1: Weibchen der Orientalischen Schabe (Blatta orientalis)

Orientalische Schabe (Blatta orientalis) Männchen

Abb. 2: Männchen der Orientalischen Schabe (Blatta orientalis)

Orientalische Schabe (Blatta orientalis) Oothek

Abb. 3: Oothek der Orientalischen Schabe (Blatta orientalis)

Orientalische Schabe (Blatta orientalis) Larve

Abb. 4: Larve der Orientalischen Schabe (Blatta orientalis)

 

Orientalische Schabe - Vorkommen und Lebensweise

Unter mitteleuropäischen Verhältnissen hält sich Blatta orientalis besonders gern in feuchtwarmen Räumen mit mindestens 60 % relativer Luftfeuchtigkeit auf. Hierzu zählen Großküchen, Bäckereien, Lebensmittelbetriebe, Kantinen, Schwimmbäder, Asylantenheime, Krankenhäuser, Gewächshäuser und öffentliche Toiletten. Aber auch in Privathaushalten ist die Orientalische Schabe häufig. Da die Orientalische Schabe im Vergleich zur Deutschen Schabe (Blattella germanica) schlechter klettert, liegen ihre Verstecke meist im Bodenbereich in schadhaftem Mauerwerk, hinter Wandverkleidungen, Türzargen, Scheuerleisten, in Leitungsschächten oder Abwasserleitungen. Obwohl die Vorzugstemperatur von Blatta orientalis bei 20 bis 29°C liegt, ist eine Vermehrung selbst bei 15°C noch möglich. Unter gleich bleibend optimalen Umweltbedingungen kann sich die Orientalische Schabe das ganze Jahr über fortpflanzen. Die Eikapseln enthalten in der Regel 16 Eier und werden von den Weibchen zunächst noch bis zu fünf Tage umher getragen, bevor sie an einem warmen und geschützten Platz abgelegt werden. Nach 42 bis 81 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Die Larven von Blatta orientalis häuten sich bis zur Geschlechtsreife siebenmal. Die gesamte Entwicklungsdauer bis zur Vollentwickelten Schabe hängt sowohl vom Geschlecht, als auch von der Umgebungstemperatur ab. Bei 30°C können Männchen die Entwicklung nach vier bis sechs Monaten abgeschlossen haben, während Weibchen der Orientalischen Schabe unter diesen Umständen neun bis zehn Monate benötigen. Bei Zimmertemperatur schwankt die Entwicklungsdauer zwischen 10 und 18 Monaten. Die Imagines von Blatta orientalis leben durchschnittlich fünf bis sechs Monate. In geheizten Räumen ist pro Jahr nur maximal eine Generation möglich. Im Laufe seines Lebens kann ein Weibchen der Orientalischen Schabe 70 bis 190 Eier produzieren.

 

 

Orientalische Schabe - Schadwirkung

Tierarten, die Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können, werden nach Paragraph 2 des deutschen Infektionsschutzgesetzes als Gesundheitsschädlinge definiert. In Deutschland gelten neben der Orientalischen Schabe die Braunbandschabe oder Möbelschabe (Supella longipalpa), die Deutsche Schabe (Blattella germanica) und die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihres häufigen Vorkommens als die wichtigsten Gesundheitsschädlinge. Aufgrund ihrer Lebensweise kann die Orientalische Schabe Krankheitskeime verbreiten, die Menschen, Haustiere und Nutztiere infizieren könnten. Außerdem gilt Blatta orientalis als Vektor (Überträger) für Schimmelpilzsporen. In Laboruntersuchungen wurde festgestellt dass Krankheitskeime bis zu drei Tage am Körper von Schaben (Kakerlaken) haften und über diesen Zeitraum auch infektiös bleiben können. Zudem kann die Orientalische Schabe Krankheitserreger auch über Kot und Kropfinhalt verbreiten. Wie andere Schabenarten (umgangssprachlich: Kakerlaken) auch kann die Orientalische Schabe Allergien auslösen. So können allergene Stoffe, die unter anderem im Kot von Blatta orientalis enthalten sind, die sog. Hausstauballergie hervorrufen. Probleme bereitet diese Kakerlakenart aber auch als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta), wie Mendheim (1951) berichtet. Die Orientalische Schabe gilt aber nicht nur als Hygieneschädling und Gesundheitsschädling, sondern spielt auch eine Rolle als Materialschädling. Insbesondere technische Anlagen sind hier betroffen, da die Orientalische Schabe gerne in elektronische Geräte wie Computer eindringt und so technische Störungen hervorrufen kann.

 

Orientalische Schabe - Bekämpfung

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Orientalische Schabe zu bekämpfen. Mit Lockstoffen versehene Klebefallen locken Larven und ausgewachsene Individuen von Blatta orientalis an und dienen neben der direkten Bekämpfung in erster Linie dazu, das Befallsausmaß abzuschätzen. Klebefallen werden daher von professionellen Schädlingsbekämpfern beim Schabenmonitoring eingesetzt. Zur Bekämpfung der Orientalischen Schabe können Kontaktinsektizide und Fraßköder verwendet werden. Kontaktinsektizide, wie das häufig eingesetzte Pyrethrum, sollten vor allem an den bevorzugten Aufenthaltsorten von Blatta orientalis wie zum Beispiel hinter Spülmaschinen oder Elektroherden ausgebracht werden. Die meisten Fraßköder gegen die Orientalische Schabe oder andere Schabenarten werden in Gelform angeboten. Der Vorteil dieser sog. Ködergele ist, dass kleinste Mengen des Fraßköders überall dort ausgebracht werden können, wo sich Blatta orientalis regelmäßig aufhält. Die Wirkung der Ködergele hält über mehrere Wochen hinweg an. Bei sachgerechter Anwendung gehen von dieser Bekämpfungsmethode für Menschen und Haustiere keine Gefahren aus. Um einen Befall mit der Orientalischen Schabe dauerhaft zu beseitigen ist es aber wichtig die Ausbringung des Fraßköders über einen Zeitraum von mehreren Monaten regelmäßig zu wiederholen, auch wenn bereits nach kurzer Zeit keine Schaben mehr zu sehen sind. Nur so ist gewährleistet, dass auch die Larven von Blatta orientalis, die erst nach Beginn der Bekämpfungsmaßnahmen aus den Ootheken (Eipaketen) schlüpfen, ebenfalls bekämpft werden können. Die aktuell zugelassenen Schabenköder enthalten unter anderem die insektiziden Wirkstoffe Hydramethylnon, Fipronil, Abamectin oder Imidacloprid.

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Blatta orientalis (Orientalische Schabe).

 

 

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