Institut für Schädlingskunde

Orientalischer Holzbohrer

 

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen des orientalischen Holzbohrers (Heterobostrychus aequalis)

 

Wissenschaftliche Bezeichnung des Orientalischen Holzbohrers: Heterobostrychus aequalis (Waterhouse, 1884)

 

Orientalischer Holzbohrer - Aussehen: Die Imagines von Heterobostrychus aequalis sind langgestreckte Käfer mit einem zylinderförmigen Habitus. Die Färbung der Art ist recht variabel und reicht von rotbraun bis hin zu schwarzbraun. Die Körperlänge der Käfer variiert zwischen 6 und 13 mm. Von oben betrachtet ist der Kopf nicht zu sehen, da er unter dem fast quadratischen Halsschild verborgen ist. An den Rändern sowie im Zentrum des Halsschildes fallen viele kleine, spitze Fortsätze auf, die dem Kopf des orientalischen Holzbohrers ein recht stacheliges Aussehen verleihen. Die Flügeldecken zieren einige Längsstreifen, die bei genauem Hinsehen aus vielen punktförmigen Vertiefungen der Chitinhülle bestehen. Die letzten drei Antennenglieder sind deutlich verlängert. Die Enden der Flügeldecken sind nicht abgerundet, sondern fallen in Richtung des Hinterleibsendes steil ab. Dieses Merkmal teilt sich Heterobostrychus aequalis mit dem Großen Kornbohrer (Prostephanus truncatus), der ebenfalls in die Familie der Bohrkäfer (Bostrichidae) gehört. Die engerlingsartig gekrümmten Larven des orientalischen Holzbohrers sind kaum behaart und haben eine weißlich-gelbliche Färbung. Sie werden maximal 10 mm lang.

 

   
Abb. 1: Seitenansicht eines orientalischen Holzbohrers (Heterobostrychus aequalis)
  Abb. 2: Rückenansicht eines orientalischen Holzbohrers (Heterobostrychus aequalis)  

 

 

Orientalischer Holzbohrer - Verbreitung und Verhalten: Ursprünglich war der orientalische Holzbohrer wahrscheinlich nur in Südostasien beheimatet. Durch den internationalen Warenverkehr wurde die Art mittlerweile aber auch in zahlreiche weitere, tropische und subtropische Länder eingeschleppt. Bis auf die Antarktis und Europa kommt die Art mittlerweile auf allen Kontinenten vor. Nach Europa und das nördliche Nordamerika wurden die Käfer zwar wiederholt mit befallenem Holz eingeführt, allerdings konnte sich die wärmeliebende Art hier bislang nicht erfolgreich ansiedeln. Zur Eiablage fressen die Weibchen kurze Gänge in das Holz. Bevorzugt werden bereits gefällte Bäume oder aber frisch gesägtes Holz befallen. Die Larven legen dann gewundene Fraßgänge im Holz an. Sie produzieren dabei sehr feines Fraßmehl, das die Gangsysteme komplett ausfüllt. Am Ende des Larvengangs legt die verpuppungsreife Larve von Heterobostrychus aequalis dann eine Kammer an um sich hier zu verpuppen. Nach dem Schlupf müssen die Käfer dann wieder einen Gang aus dem Holz herausnagen. Sie verlassen das befallene Holz durch ein rundes bis ovales Ausflugloch. Für den kompletten Entwicklungszyklus benötigt der orientalische Holzbohrer je nach Nährstoff- und Feuchtegehalt des Holzes zwischen einem und mehreren Jahren. Befallen wird sowohl frisch gesägtes, als auch bereits verarbeitetes Holz. Das Holz von mindestens 35 verschiedenen Baumarten wird von Heterobostrychus aequalis befallen. Hierunter sind zahlreiche tropische Baumarten. Aber auch Eichenholz kann der orientalische Holzbohrer für seine Entwicklung nutzen.

 

 

Orientalischer Holzbohrer - Schadpotenzial: Der orientalische Holzbohrer ist vor allem in den Tropen ein sehr wichtiger Holzschädling, da er nicht nur frisch gefällte Bäume sondern auch bereits verarbeitetes Holz befallen kann. Nach Deutschland gelangt die Art beispielsweise mit befallenem Tropenholz, Holzmöbeln und Verpackungsholz. Aus klimatischen Gründen erscheint eine Weiterverbreitung durch befallene Importware allerdings sehr unwahrscheinlich. Der orientalische Holzbohrer kann sich auch in bereits verarbeitetem und daher relativ trockenem Holz entwickeln – ganz ähnlich wie dies auch vom Gemeinen Nagekäfer (Anobium punctatum) bekannt ist.

 

   
Abb. 3: Der Kopf des orientalischen Holzbohrers (Heterobostrychus aequalis) weist zahlreiche, zahnförmige Strukturen auf
  Abb. 4: Die letzten drei Fühlerglieder des orientalischen Holzbohrers (Heterobostrychus aequalis) sind stark vergrößert  

 

Orientalischer Holzbohrer - Bekämpfen: Um den orientalischen Holzbohrer zu bekämpfen, können sowohl chemische, als auch thermische Verfahren eingesetzt werden. Möbelstücke die von Heterobostrychus aequalis befallen sind, können zum Beispiel mit dem gasförmigen Holzschutzmittel Vikane behandelt werden, welches den im Bereich des Holz- und Bautenschutzes zugelassenen Wirkstoff Sulfuryldifluorid enthält. Ein giftfreies Verfahren ist die Behandlung befallener Holzgegenstände in einer speziellen Klimakammer. Hier werden Möbelstücke schonend erhitzt, um die im Holz lebenden Larven des orientalischen Holzbohrers abzutöten.

 

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