Institut für Schädlingskunde

Nordische Vogelmilben bekämpfen



Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen von Ornithonyssus sylviarum (Nordische Vogelmilbe).



Wissenschaftliche Bezeichnung: Ornithonyssus sylviarum (CANESTRINI & FANZAGO, 1877)

 

Nordische Vogelmilben - Aussehen: Nordische Vogelmilben gehören wie die Mehlmilbe (Acarus siro) oder die Modermilbe (Tyrophagus putrescentiae) zur Gruppe der Spinnentiere (Chelicerata). Wie alle Spinnentiere besitzen sie vier Beinpaare und somit ein Beinpaar mehr als ein Insekt. Ornithonyssus sylviarum ist wie die meisten Milbenarten sehr klein und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Meist erreichen die Milben nicht einmal eine Körperlänge von 1 mm, wobei die weiblichen Milben etwas größer werden als die männlichen Milben.

   
Abb. 1: Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) - Dorsalansicht   Abb. 2: Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) - Ventralansicht  

 

 

Nordische Vogelmilben - Verbreitung und Verhalten: Ornithonyssus sylviarum ist eine Milbenart, die vermutlich weltweit in Regionen mit gemäßigtem Klima vorkommt. Nymphen, Männchen und Weibchen der Nordischen Vogelmilbe leben als Ektoparasiten im Gefieder von zahlreichen Vogelarten und ernähren sich vom Blut ihrer Wirtstiere. Anders als Taubenzecken (Argas reflexus) können Nordische Vogelmilben nur kurze Zeit hungern. Ohne ihre Wirtsvögel überleben diese Parasiten höchstens 3 Wochen. Ornithonyssus sylviarum vermehrt sich besonders stark, wenn sich Jungvögel im Nest aufhalten. In solchen Fällen hat man bereits über 3.000 Exemplare der Nordischen Vogelmilbe in einem einzigen Vogelnest gefunden. Bleiben einzelne Milben nach der Brutsaison im leeren Nest zurück, so verlassen die Parasiten das Nest um sich einen neuen Wirt zu suchen. In derartigen Fällen gelangt Ornithonyssus sylviarum auch regelmäßig in Häuser und Wohnungen und kann hier auch Ziervögel, Hunde, Katzen oder den Menschen befallen. Die gesamte Entwicklungsdauer vom Ei bis zur adulten Milbe ist recht kurz und dauert rund ein bis zwei Wochen.

 

 

Nordische Vogelmilben - Schadpotenzial: Ornithonyssus sylviarum richtet bei einem massenhaften Vorkommen an Hühnern und anderem Nutzgeflügel direkte ökonomische Schäden an. Bedingt durch den zum Teil beträchtlichen Blutverlust wachsen Küken langsamer und erreichen daher auch später ihr Verkaufsgewicht. Werden Legehennen von der Nordischen Vogelmilbe befallen, so kann dies dazu führen, dass sie weniger Eier ablegen. Ornithonyssus sylviarum kommt zudem als Überträger für verschiedene Virusinfektionen wie Östliche Pferde-Encephalitis, St. Louis Encephalitis, Westliche Pferde-Encephalitis und Newcastle-Krankheit in Frage. Werden Menschen von der Nordischen Vogelmilbe gebissen, so bilden sich an den Bissstellen kleine, juckende Bläschen. Der Juckreiz hält rund eine Woche an. Werden Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig gebissen, so können Symptome einer chronischen Dermatitis auftreten. Beschäftigte in Geflügelzuchtbetrieben können sogar allergische Reaktionen der Atemwege entwickeln, wenn sie staubhaltige Luft einatmen, die Kot von Ornithonyssus sylviarum enthält. Ornithonyssus sylviarum muss daher als Gesundheitsschädling angesehen werden.

 

Nordische Vogelmilben - Bekämpfen: Um zu verhindern, dass Vogelparasiten aus leeren Vogelnestern in die Wohnung gelangen, sollten die Nester nach Ende der Brutsaison entfernt werden. Zudem kann doppelseitiges Klebeband auf der Fensterbank angebracht werden. Diese Maßnahme sorgt dafür, dass Vogelparasiten wie Ornithonyssus sylviarum, Hühnerflöhe (Ceratophyllus gallinae) oder Schwalbenlausfliegen (Stenepteryx hirundinis) in das Haus eindringen können. Um Nordische Vogelmilben direkt zu bekämpfen, können Insektensprays mit den Wirkstoffen Lamda-Cyhalothrin und Permethrin verwendet werden.

 

   
Abb. 3: Wie alle Milben besitzt auch die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) vier Beinpaare   Abb. 4: Die Kleiderlaus (Pediculus humanus) ist wie die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) ein blutsaugender Ektoparasit  

 

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