Institut für Schädlingskunde

 

 

Plattwespe

 

Wissenschaftlicher Artname der Plattwespe: Cephalonomia gallicola (ASHMEAD, 1887)

 

Wie sehen Plattwespen aus? Die Art Cephalonomia gallicola gehört der Familie Bethylidae an, die im deutschen auch als Plattwespen bezeichnet werden. Die deutsche Bezeichnung geht auf den häufig verlängerten und abgeflachten Kopf der Tiere zurück. Bethyliden gehören innerhalb der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) in die Gruppe der Stechimmen (Aculeata), bei denen der weibliche Legeapparat zu einem Giftstachel umgebildet ist. Plattwespen sind daher unter anderem näher mit Ameisen (Formicidae), Bienen (Apoidea) oder auch Faltenwespen (Vespidae) verwandt. Cephalonomia gallicola weist einen interessanten Sexualdimorphismus auf. Während die Weibchen stets ungeflügelt sind, treten bei den Männchen sowohl geflügelte, als auch ungeflügelte Individuen auf. Die 1,4 bis 1,8 mm langen Weibchen sind hellbraun gefärbt. Auf der Stirn des rechteckig geformten Kopfes liegen drei winzige Punktaugen (Ocellen). Die fünf endständigen (distalen) Antennensegmente weisen eine schwarze Färbung auf. Geflügelte Männchen zeigen ähnlich wie die Weibchen eine hellbraune Färbung. Allerdings befindet sich bei den männlichen Plattwespen auf allen sichtbaren Abdominalsegmenten (Körpergliedern des Hinterleibs) jeweils ein schwarzes, transversales und unregelmäßiges Band. Der leicht dreieckig geformte Kopf weist drei deutlich erkennbare Punktaugen (Ocellen) auf. Die 11 endständigen (distalen) Antennensegmente sind schwarz. Die Körperlänge von geflügelten Männchen liegt zwischen 1,2 und 1,5 mm. Ungeflügelte Männchen bleiben mit 0,8 bis 1,0 mm Länge deutlich kleiner. Die Kopfform der ungeflügelten, männlichen Individuen ist eher oval.

 

 
Abb. 1: Die Weibchen der Plattwespe Cephalonomia gallicola sind stets ungeflügelt   Abb. 2: Geflügeltes Männchen der Plattwespe Cephalonomia gallicola

 

Wo leben Plattwespen? Cephalonomia gallicola ist vermutlich weltweit verbreitet, da Nachweise für diese Art sowohl aus den USA, Europa und Asien vorliegen. Cephalonomia gallicola parasitiert verschiedene Arten aus der Familie der Nagekäfer (Anobiidae). Häufige Wirtsarten sind zum Beispiel der Gewöhnliche Nagekäfer (Anobium punctatum), der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) oder der Brotkäfer (Stegobium paniceum). Während sich die Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers in Holz entwickeln, sind Tabakkäfer und Brotkäfer typische Vorratsschädlinge, die eine Vielzahl von Lebensmitteln befallen können. Cephalonomia gallicola ist somit als natürlicher Gegenspieler von Anobiiden zu bezeichnen und tritt vor allem dort auf, wo ein Befall mit diesen Käfern bereits seit längerer Zeit besteht. Eine Verbreitung ist besonders durch Nahrungsmittel möglich, die sowohl die vorratsschädlichen Anobiiden, als auch die sie parasitierenden Plattwespen enthalten. Das Cephalonomia gallicola -Weibchen legt seine Eier bevorzugt an Verpuppungsreife Käferlarven oder Puppen ab, die zuvor mit Hilfe des Giftstachels bewegungsunfähig gemacht wurden. Unter Laborbedingungen wurden bei einer Temperatur von 26°C durchschnittlich 4,4 Eier pro Wirt abgelegt, wobei die Maximalwerte zwischen einem und zwölf Eier schwankten. Bei einem konstanten Angebot an neuen Wirtstieren überlebten die Weibchen in diesen Untersuchungen durchschnittlich 94 Tage. Fehlten die Wirtstiere, so lag die Lebenserwartung der Bethyliden-Weibchen dagegen nur bei 10 bis 20 Tagen. Die Entwicklung vom Ei bis zur Imago war unter Laborbedingungen bei Temperaturen zwischen 20°C und 35°C möglich. Stets entwickelten sich die Männchen etwas schneller als die Weibchen. Bei 25°C dauerte die Entwicklung der Weibchen durchschnittlich 26 Tage. Dagegen war bei männlichen Individuen die Entwicklung rund einen Tag früher abgeschlossen. Bei 25°C schlüpft die Larve von Cephalonomia gallicola nach rund vier Tagen und beginnt damit ihren Wirt von außen her aufzufressen. Das Larvalstadium dauert insgesamt rund 10 Tage. Gegen Ende des Larvalstadiums spinnt die Bethylidenlarve einen Kokon, in dem sie sich nach einer Ruhephase von einigen Tagen verpuppt. Die Puppenruhe selbst kann sich über einen Zeitraum von zehn bis elf Tagen erstrecken.

 

Welche Schäden richten Plattwespen an? Aufgrund der Bindung an verschiedene Wirtsarten aus der Gruppe der Nagekäfer kommt Cephalonomia gallicola regelmäßig auch in Häusern vor und es existieren zahlreiche Berichte von Menschen, die von diesen Plattwespen gestochen wurden. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Tiere unter die Kleidung geraten und sich bedroht fühlen. Der Stich von Cephalonomia gallicola wird zunächst als recht schmerzhaft empfunden, allerdings lässt der Schmerz bereits nach wenigen Minuten wieder nach. Nach kurzer Zeit entsteht eine leichte Rötung (Erythem) um die Einstichstelle herum. Später kann sich eine Quaddel von mehreren Millimetern Durchmesser ausbilden, die aber normalerweise bereits nach zwei bis drei Tagen abklingt. Wie bei allen Insektenstichen sind zwar prinzipiell auch infolge des Stichs von Cephalonomia gallicola allergische Reaktionen möglich. Alles in allem ist ein Stich dieser Plattwespe aber nicht gefährlicher als beispielsweise ein Wespen- oder Bienenstich.

 

Wie kann man Plattwespen bekämpfen? Cephalonomia gallicola kann prinzipiell überall dort angetroffen werden, wo seine Wirtsarten aus der Familie der Nagekäfer wie zum Beispiel der Gewöhnliche Nagekäfer (Anobium punctatum) vorkommen. Dies bedeutet, dass ein Auftreten dieser Plattwespe in erster Linie durch die konsequente Bekämpfung ihrer Wirtstiere beseitigt und dauerhaft verhindert werden kann.

 

Hier erfahren Sie noch mehr Wissenswertes über Plattwespen (Cephalonomia gallicola).

 

 

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