Institut für Schädlingskunde

 

 

Sächsische Wespe

 

Wissenschaftlicher Artname der Sächsischen Wespe: Dolichovespula saxonica (FABRICIUS, 1793)

 

Wie sehen Sächsische Wespen aus? Die Sächsische Wespe gehört, wie die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) und die übrigen Arten aus der Gattung Dolichovespula, zu den sog. Langkopfwespen. Diese Wespenarten sind durch einen deutlichen Abstand zwischen dem unteren Augenrand und der Oberkieferbasis charakterisiert. Demgegenüber ist dieser Zwischenraum bei den sog. Kurzkopfwespen, der Deutschen Wespe (Paravespula germanica) und der Gemeinen Wespe (Paravespula vulgaris) wesentlich kürzer. Die schwarz-gelbe Körperzeichnung der Sächsischen Wespe soll möglichen Fressfeinden signalisieren, dass es sich um eine wehrhafte bzw. ungenießbare Art handelt. Charakteristisch für Dolichovespula saxonica ist ein dreizackiges Zeichnungselement auf dem Stirnschild (Clypeus), das an eine Krone erinnert. Weibchen erreichen eine Körperlänge zwischen 15 und 19 mm, während Männchen 13 bis 15 mm und Arbeiterinnen 11 bis 15 mm lang werden können.

 

   
Abb. 1: Weibchen der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica)   Abb. 2: Auf dem Stirnschild der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) befindet sich ein dunkles, dreizackiges Zeichnungselement  

 

Wo leben Sächsische Wespen? Das Vorkommensgebiet der Sächsischen Wespe erstreckt sich auf Teile von Europa und Asien. In Europa ist Dolichovespula saxonica nur nördlich der Alpen verbreitet. Sie dringt allerdings nicht so weit nach Norden vor wie die Norwegische Wespe. In Asien recht das Verbreitungsgebiet von Sibirien über Kasachstan, die Mongolei, China und Korea bis nach Japan. Auch im Kaukasus ist Dolichovespula saxonica verbreitet. Sächsische Wespen besiedeln sowohl bewaldetes Hügelland als auch offene Landschaften. Die Völker der Sächsischen Wespe sind recht klein und bestehen selbst auf dem Höhepunkt der Entwicklung maximal nur aus 200 bis 300 Individuen. Die erdbeerförmigen Nester erreichen höchstens die Größe eines Fußballs und werden häufig in Gebäuden, wie zum Beispiel Scheunen, angelegt. Hier wird das Nest häufig freihängend am Dachgebälk oder an Dachlatten errichtet. Gelegentlich werden die Nester auch frei in Hecken oder in Vogelnistkästen erbaut. Die Nestoberfläche ist glatt, die Färbung der Waben, sowie der Nesthülle ist grau. Zum Nestbau raspeln die Arbeiterinnen von Dolichovespula saxonica mit ihren Mandibeln morsches Holz ab und vermischen dieses mit Speicheldrüsensekret zu einem Brei. Zur Versorgung der Larven werden andere Insekten, wie zum Beispiel Fliegen erbeutet. Die erwachsenen Tiere (Imagines) ernähren sich dagegen hauptsächlich von Blütennektar. Der Lebenszyklus der Sächsischen Wespe ist vergleichsweise kurz. Die begatteten Weibchen beenden ihre Winterruhe Ende April und beginnen sogleich mit der Gründung einer neuen Kolonie. Ab Ende Mai wird die Königin bei Nahrungsbeschaffung und Versorgung der Brut von den ersten Arbeiterinnen unterstützt. Anfang August schlüpfen dann die ersten Jungköniginnen und Männchen im Nest. Die Kolonien von Dolichovespula saxonica bestehen in der Regel nur bis Mitte September. Zu diesem Zeitpunkt sterben sowohl die Königin, als auch die verbliebenen Arbeiterinnen sowie die männlichen Individuen eines Volkes. Die im Herbst begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln in Holzstössen oder anderen Verstecken um im darauf folgenden Frühjahr eine neue Kolonie zu gründen.

 

   
Abb. 3: Eine Arbeiterin der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) nagt morsches Holz für den Nestbau ab   Abb. 4: Ein Nest der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) in einem Gartenschuppen  

 

Wie gefährlich sind die Stiche der Sächsischen Wespe? Wie bei allen Vespidenarten kann der Stich der Sächsischen Wespe in seltenen Fällen eine Allergie auslösen. Die Tiere verhalten sich allerdings nur bei Störungen in direkter Nestnähe aggressiv und gelten daher allgemein weder als lästig noch als schädlich. Können Nester nicht an ihrem Standort toleriert werden, so sollten diese von Spezialisten umgesiedelt werden.

 

   
Abb. 5: Blick in das Innere eines Nests der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica)   Abb. 6: Das Nest der Gemeinen Wespe (Paravespula vulgaris) hat im Gegensatz zum Nest der Sächsischen Wespe zahlreiche Lufttaschen  

 

Darf man die Nester der Sächsischen Wespe zerstören? Nester der Sächsischen Wespe werden häufig zerstört, da sie im Vergleich zu den Nestern anderer Wespenarten leicht zugänglich sind. Dies hat dazu geführt, dass Dolichovespula saxonica vielerorts selten geworden ist. Da Wespen andere Insekten wie zum Beispiel Fliegen erbeuten spielen sie im Ökosystem eine wichtige Rolle und sollten möglichst nicht bekämpft werden. Können Nester nicht an ihrem Standort toleriert werden, so sollten die Kolonien fachmännisch umgesiedelt werden. Wir vermitteln Ihnen gerne Adressen von Betrieben, die sich auf das Umsiedeln von Wespen- und Hornissenvölkern spezialisiert haben.

 

Hier erfahren Sie noch mehr Wissenswertes über Sächsische Wespen (Dolichovespula saxonica).

 

 

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