Institut für Schädlingskunde

Totenuhr

 

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen der Totenuhr (Xestobium rufovillosum)

 

Wissenschaftliche Bezeichnung der Totenuhr: Xestobium rufovillosum (GYLLENTHAL, 1827)

 

Totenuhr - Aussehen: Den etwas eigentümlich klingenden Namen Totenuhr hat dieser Nagekäfer vom Verhalten der erwachsenen Käfer erhalten, die mit ihrem Kopf auf Holz klopfen um auf diese Weise Geschlechtspartner zur Paarung anzulocken. Weitere Bezeichnungen für die Totenuhr sind Gescheckter Nagekäfer oder Bunter Nagekäfer. Xestobium rufovillosum wird rund einen halben Zentimeter lang. Auf der bräunlich gefärbten Oberseite des Körpers fallen unregelmäßig angeordnete Flecken mit gelben Borsten auf. Der Kopf der Totenuhr ist wie beim Brotkäfer (Stegobium paniceum) oder dem Holzwurm (Anobium punctatum) von oben betrachtet nicht sichtbar, da er unter dem kapuzenartig vorgewölbten Halsschild verborgen ist. Die weißlichen Larven der Totenuhr leben im Holz und erinnern mit ihrem gekrümmten Körperbau an Engerlinge.

 

   
Abb. 1: Bei der Totenuhr (Xestobium rufovillosum) ist der Kopf von oben betrachtet nicht sichtbar   Abb. 2: Totenuhr (Xestobium rufovillosum) - Seitenansicht  

 

Totenuhr - Verbreitung und Verhalten: Die Totenuhr stammt ursprünglich aus Europa, gelangte mit befallenem Holz aber auch nach Nordamerika und Australien. Der natürliche Lebensraum dieser Nagekäferart sind Wälder. Hier leben die Larven in verrottendem Holz. Anders als beim Nordamerikanischen Splintholzkäfer (Lyctus planicollis) oder beim Parkettkäfer (Lyctus linearis) können die Larven von Xestobium rufovillosum Zellulose verdauen, da sie die entsprechenden Enzyme bilden können. Problematisch ist, dass die Totenuhr auch verbautes Holz befällt. Generell muss das Holz aber einen Feuchtegehalt von mindestens 16 % haben und zusätzlich von Pilzen vorgeschädigt sein, damit sich die Larven der Totenuhr darin entwickeln können. Der Entwicklungszyklus dauert normalerweise zwei bis drei Jahre. Die genaue Dauer der Entwicklung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben Temperatur und Substratfeuchtigkeit beeinflusst auch der Nährstoffgehalt des befallenen Holzes die Entwicklungsgeschwindigkeit der Larven. Die Weibchen der Totenuhr legen im Frühling bis zu 100 Eier in alte Fraßgänge ab. Die Larven häuten sich mehrmals und überwintern in der Regel mindestens einmal als Larve. Die Verpuppung findet normalerweise im Spätsommer statt. Die Käfer verlassen das befallene Holz in der Regel im April des darauf folgenden Jahres um sich kurze Zeit später zu paaren. Im Gegensatz zu den Larven leben die erwachsenen Käfer meist nur wenige Wochen.

 

   
Abb. 3: Totenuhr (Xestobium rufovillosum) – Kopfansicht von unten   Abb. 4: Totenuhr (Xestobium rufovillosum) – Kopfansicht von der Seite  

 

 

Totenuhr - Schadpotenzial: Xestobium rufovillosum kann sich nur in feuchtem Holz entwickeln, das bereits von Pilzen teilweise zersetzt wurde. Meist treten die Tiere dort auf, wo Holz zum Beispiel in Folge eines Wasserschadens oder eines undichten Daches feucht geworden ist und von Pilzen wie dem Hausschwamm besiedelt wurde. Trockenes und intaktes Holz wird dagegen von der Totenuhr nicht befallen. Daher ist die Totenuhr in Neubauten eher selten, während sie in historischen Gemäuern wie Schlössern oder alten Kirchen häufiger vorkommt. Natürlich findet man diesen Holzschädling regelmäßig auch in Scheunen, Gartenhütten oder Fachwerkhäusern. Befallen wird in erster Linie Holz von Laubbäumen wie Eiche oder Buche. An Nadelholz kommt Xestobium rufovillosum dagegen seltener vor.

 

 

Totenuhr - Bekämpfen: Um Holzschädlinge wie die Totenuhr zu bekämpfen wird oftmals ein thermisches Verfahren, die sog. Heißluftbehandlung, eingesetzt. Bei diesem Verfahren behandelt man das befallene Holz mit den darin lebenden Schadinsekten mit hohen Temperaturen, wodurch alle Stadien der Holzschädlinge absterben. Alternativ können auch Kontaktinsektizide gegen Holzschädlinge eingesetzt werden. Meist ist Holz, das von der Totenuhr befallen wurde aber bereits so stark zerstört, dass es ausgetauscht werden muss. In diesem Fall erübrigen sich direkte Bekämpfungsmaßnahmen gegen Xestobium rufovillosum.

 

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