Institut für Schädlingskunde

 

 

Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Amerikanischen Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis)

 

Wissenschaftlicher Artname der Amerikanischen Kiefernwanze: Leptoglossus occidentalis HEIDEMANN, 1910

 

Amerikanische Kiefernwanze - Erkennen

Die Amerikanische Kiefernwanze ist eine relativ große und auffällige Wanzenart, die aufgrund der charakteristisch verbreiterten Tibien („Unterschenkel“) der Hinterbeine mit keiner anderen, in Deutschland vorkommenden, Wanzenart verwechselt werden kann. Amerikanische Kiefernwanzen haben eine Körperlänge von 15 bis 20 Millimeter und eine Körperbreite von fünf bis sieben Millimetern. Ihre viergliedrigen Antennen erreichen ungefähr drei Viertel der Körperlänge. Die Färbung von Leptoglossus occidentalis ist überwiegend rötlichbraun mit einzelnen, schwarzen und weißen Farbanteilen. Typisch für die Amerikanische Kiefernwanze ist eine weiße Zickzacklinie, die im Zentrum der Vorderflügel liegt. In der Mitte des Kopfes verläuft eine rote Längslinie. Werden sie belästigt geben die Tiere ein Abwehrsekret ab, das nach Apfel oder Zitrone riechen soll.

 

Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis)

Abbildung 1: Die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) wurde 1999 erstmals auch in Europa nachgewiesen

Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis)

Abbildung 2: Charakteristisch für die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) sind die blattartig verbreiterten Tibien der Hinterbeine

 

 

Amerikanische Kiefernwanze - Vorkommen und Lebensweise

Ursprünglich war die Amerikanische Kiefernwanze, die auch als Amerikanische Zapfenwanze bezeichnet wird, nur im Westen Nordamerikas zwischen Mexiko im Süden und British Columbia im Norden heimisch. In den 50er und 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hatte die Art bereits den Mittleren Westen der USA besiedelt und in den 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts tauchten die ersten Individuen an der Ostküste der USA auf. Mittlerweile kommt diese Wanzenart in weiten Teilen Nordamerikas vor. Man nimmt an, dass sie sich vor allem durch den Handel mit Weihnachtsbäumen, aber auch mit anderen Gütern in so kurzer Zeit ausbreiten konnte. Im Jahr 1999 wurde die Art zum ersten Mal in Europa nachgewiesen. Der Fundort lag im norditalienischen Vicenza. In den folgenden Jahren breitete sich die Amerikanische Kiefernwanze nach und nach immer weiter in Europa aus. Im Jahr 2002 erfolgte der Erstnachweis für die Schweiz, ein Jahr später wurde die Art in Slowenien und Spanien gefunden. 2004 gelangen Nachweise für Kroatien und Ungarn. Im Jahr 2005 tauchte die Amerikanische Kiefernwanze erstmalig in Österreich und Frankreich auf. 2006 gelangen Erstnachweise für Deutschland, Tschechien und Serbien. Im Jahr 2007 wurde die Art erstmals auch aus Großbritannien, Belgien, der Slowakei, Polen und den Niederlanden gemeldet. 2008 folgten Erstnachweise für Griechenland, Montenegro und Bulgarien. Ein weiteres Jahr später wurden die Tiere erstmals in Rumänien, Dänemark, Norwegen und dem europäischen Teil der Türkei entdeckt. Im Jahr 2010 wurde Leptoglossus occidentalis erstmalig in Portugal nachgewiesen. Sogar aus Asien liegen mittlerweile Nachweise für die Amerikanische Kiefernwanze vor. Die Amerikanische Kiefernwanze ist in der Lage sich über kürzere Strecken auch aktiv zu verbreiten, da die adulten Wanzen sehr gute Flieger sind. So ist bekannt, dass die Besiedlung der englischen Südküste hauptsächlich durch Tiere erfolgte, die von Frankreich aus über den Ärmelkanal geflogen sind. Die Amerikanische Kiefernwanze kann prinzipiell überall dort auftreten, wo ihre Wirtspflanzen vorkommen. Untersuchungen aus dem norditalienischen Trentino belegen, dass diese Wanzenart hier von den Tallagen bis hinauf zur Waldgrenze verbreitet ist. Der höchstgelegene Fundort lag auf 1.730 m ü NN in einem Bestand der Bergkiefer. Amerikanische Kiefernwanzen überwintern als ausgewachsene Insekten. Im Herbst suchen die Wanzen geeignete Überwinterungsverstecke auf, in denen sie sich teilweise in großer Zahl versammeln. Ausgelöst wird dieses Verhalten durch ein Aggregationspheromon, das die Männchen von Leptoglossus occidentalis abgeben. Natürliche Überwinterungsquartiere wurden unter der Rinde von Kiefern, in abgestorbenen Douglasien oder in den Nestern von Bussarden und Nagetieren gefunden. Regelmäßig taucht die Art im Herbst auch zur Überwinterung in Gebäuden auf. Nach der Überwinterung suchen die Tiere nach Nadelbäumen, wo sie mit Hilfe ihres langen Saugrüssels an Blüten bzw. Samenanlagen der Bäume saugen. In Nordamerika verlassen die Wanzen ihre Winterquartiere zwischen Mitte Mai und Anfang Juni. Die Weibchen legen ihre Eier in langen Reihen an Nadeln ab. Insgesamt werden rund 80 Eier produziert. Ungefähr zwei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven, die dann an den sich entwickelnden Zapfen saugen. Die Amerikanische Kiefernwanze besitzt fünf Larvenstadien. Etwa im August findet die letzte Häutung zum ausgewachsenen Insekt statt. Hinsichtlich ihrer Ernährung ist die Amerikanische Kiefernwanze auf Nadelbäume spezialisiert. In den USA wird sie daher auch als western conifer seed bug bezeichnet. Mehr als 40 Nadelbaumarten gehören zu ihrem Nahrungsspektrum. In erster Linie saugen die Wanzen Saft von verschiedenen Kiefernarten. Daneben findet die Entwicklung auch auf der Douglasie, der Großzapfigen Douglasie, der Kanadischen Hemlocktanne, der Berg-Hemlocktanne, der Weihrauchzeder, der Colorado-Tanne, der Pracht-Tanne, der Weiß-Fichte und der Mittelmeer-Zypresse statt. Im nördlichen Teil ihres natürlichen Verbreitungsgebietes gilt die Amerikanische Kiefernwanze als univoltin – dies bedeutet, dass pro Jahr nur eine Generation entsteht. In Mexiko, also im Süden des ursprünglichen Verbreitungsareals können pro Jahr bis zu drei Generationen ausgebildet werden. Auch in Norditalien können zwei bis drei Generationen im Jahr ausgebildet werden.

 

 

Amerikanische Kiefernwanze - Schadwirkung

In Nord Amerika gilt die Amerikanische Kiefernwanze als Forstschädling, da die Tiere die noch grünen Zapfen ihrer Wirtspflanzen anstechen und die sich entwickelnden Samen aussaugen. Die so geschädigten Samen entwickeln sich teilweise nicht weiter oder können unfruchtbar werden. In Betrieben, die Saatgut von Douglasien oder verschiedenen Kiefernarten gewinnen, kann die Amerikanische Kiefernwanze durchaus ökonomisch bedeutende Schäden anrichten. Laut Literaturangaben kann diese Wanzenart unter natürlichen Bedingungen die Anzahl der Samen bei der Westlichen Weymouth-Kiefer um 70 bis 80 % und bei der Douglasie um 50 % verringern. Auch aus Italien und Slowenien sind zumindest lokal bereits starke Ausfälle in der Samenproduktion verschiedener Kiefernarten bekannt geworden. Weitere Schäden könnte die Amerikanische Kiefernwanze durch die Übertragung von Pathogenen hervorrufen. In Norditalien wurden beispielsweise Conidien des endophytischen Pilzes Diplodia pinea an überwinternden Wanzen nachgewiesen. In Deutschland sind aktuell keine Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der Amerikanischen Kiefernwanze zugelassen. Amerikanische Kiefernwanzen, die zur Überwinterung in Gebäude eindringen, werden als Lästlinge angesehen. Dieses Verhalten ist sowohl aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Tiere, als auch aus Europa bekannt. Teilweise können sich die Wanzen in größerer Zahl auf Dachböden oder in Wohnungen zur Überwinterung versammeln. In einer Publikation aus dem Jahr 1994 wird davon berichtet, dass sich mehr als 2.000 Individuen von Leptoglossus occidentalis in einer Fabrik in British Columbia (Canada) zur Überwinterung eingefunden hatten. Berichte denen zufolge Menschen von den Wanzen gestochen wurden liegen nicht vor - diese Wanzenart ist ein reiner Pflanzenschädling. Vor allem für Menschen die an einer Insektenphobie leiden, wird dies aber nur ein schwacher Trost sein wenn zahlreiche dieser recht großen Wanzen im Herbst in ihr Haus eindringen. Vertrocknete Wanzen auf dem Dachboden dienen den Larven des Wollkrautblütenkäfers (Anthrenus verbasci) oder anderer Anthrenus-Arten zur Ernährung. Aus diesen Gründen kann es durchaus angebracht zu sein die Tiere im Haus zu bekämpfen.

 

Amerikanische Kiefernwanze - Bekämpfung

Um Amerikanische Kiefernwanzen zu bekämpfen die in Wohnungen eingedrungen sind oder auf Dachböden überwintern, können Kontaktinsektizide wie Pyrethrum oder synthetische Pyrethroide eingesetzt werden. Diese Kontaktinsektizide wirken auf das Nervensystem der Amerikanischen Kiefernwanzen und können sowohl im Sprühverfahren als auch im Nebelverfahren appliziert werden. Hierbei sind die vom Hersteller angegebenen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, da die enthaltenen Wirkstoffe auch das menschliche Nervensystem beeinträchtigen können. Fliegenschutzgitter vor den Fenstern verhindern, dass Amerikanische Kiefernwanzen und andere, ungebetene Überwinterungsgäste durch geöffnete Fenster ins Haus gelangen.

 

Graue Feldwanze (Rhaphigaster nebulosa)

Abbildung 3: Auch die einheimische Graue Feldwanze (Rhaphigaster nebulosa) überwintert wie die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) regelmäßig in Gebäuden

Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)

Abbildung 4: Die Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) bleibt deutlich kleiner als die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis)

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung der Amerikanischen Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis).

 

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