Institut für Schädlingskunde

 

 

Straßentauben als Überträger von Zecken, Milben und Insekten

 

Dieser Teil der Serie über Straßentauben behandelt Zecken, Milben und Insekten die von Straßentauben auf den Menschen übertragen werden können. Materialschädlinge, Vorratsschädlinge und Gesundheitsschädlinge aus der Gruppe der Insekten, aber auch Milben- und Zeckenarten leben entweder als Parasiten an den Tauben selbst, oder aber in deren Nestern. Besonders problematisch sind Flöhe, Milben und Zecken, da sie Allergien auslösen und Infektionskrankheiten übertragen können.

 

Straßentauben als Überträger von gesundheitsschädlichen Insektenarten

Bisher wurden in Nestern von Straßentauben, bzw. im Gefieder der Vögel 12 potenziell gesundheitsschädliche Insektenarten (Wanzen, Fliegen, Federlinge und Flöhe) nachgewiesen. Für 2 ektoparasitisch an Tauben lebenden Insektenarten konnte eine Übertragung von Taube zu Mensch definitiv nachgewiesen werden. Einmal wurde über die Übertragung von Bettwanzen berichtet. Mindestens 7-mal kam es zu einer Übertragung von Taubenflöhen auf den Menschen. Vermutlich ist die tatsächliche Zahl der Übertragungen aber weit höher.

Im Gegensatz zu anderen Floharten, die ein relativ breites Wirtsspektrum aufweisen, sind Taubenflöhe (Ceratophyllus columbae) weitgehend auf Vögel beschränkt. Menschen werden v. a. dann von Taubenflöhen heimgesucht, wenn Vögel als Wirtstiere fehlen. Daher ist es wichtig Tauben nicht nur durch mechanische Maßnahmen abzuwehren, sondern gleichzeitig Nester, Taubenkot, Federn usw. zu entfernen sowie eine Befallsanalyse auf Taubenflöhe und gegebenenfalls eine Flohbekämpfung durchzuführen. Man kennt aber auch Fälle in denen Menschen wochenlang regelmäßig von Taubenflöhen befallen wurden, obwohl den Flöhen brütende Tauben als Wirtstiere zur Verfügung standen. Bisse von Taubenflöhen verursachen zunächst winzige Hautverletzungen, die von einem geröteten Hautbereich mit einem Durchmesser von ca. 1,5 cm umgeben sind und nach rund 2 Wochen meist wieder verschwinden. Werden Menschen wiederholt von Taubenflöhen gebissen, können sich stark juckende Pusteln bilden. Manche Patienten entwickeln sogar eine allergische Reaktion in Form einer Nesselsucht.

 

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Hühnerfloh (Ceratophyllus gallinae)

Abbildung 1: Straßentauben (Columba livia domestica) sind häufig von Vögelflöhen wie dem Hühnerfloh (Ceratophyllus gallinae) befallen

Taubenzecke (Argas reflexus)

Abbildung 2: Die Taubenzecke (Argas reflexus) ist ein gefährlicher Gesundheitsschädling der häufig mit Straßentauben (Columba livia domestica) assoziiert ist

 

Mit Straßentauben assoziierte Milben- und Zeckenarten

3 Zecken- und 5 Milbenarten wurden bislang an Straßentauben gefunden. Für 5 Arten wurde eine Übertragung auf den Menschen definitiv nachgewiesen. 248 Berichte belegen eine Infektion des Menschen mit der Taubenzecke (Argas reflexus). Von einer Übertragung der Roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) wurde bislang 64-mal berichtet. Die Zeckenarten Argas latus und Argas polonicus, sowie die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) werden dagegen offensichtlich wesentlich seltener auf den Menschen übertragen.

Die Taubenzecke ist ein wichtiger Gesundheitsschädling, da ihr Biss beim Menschen allergische Reaktionen auslösen kann. Zunächst kommt es im Umkreis der Einstichstelle zu lokalen Hautreaktionen wie Juckreiz, Pustelbildung oder Hautrötungen. Werden Menschen wiederholt gebissen, können großflächige Hautreaktionen, oder allergische Reaktionen in Form einer allgemeinen Nesselsucht auftreten, die z. T. mit asthmatischen Beschwerden verbunden sind. Aufgrund der nächtlichen Lebensweise der Taubenzecke treten die Symptome entweder nachts oder aber am Morgen auf. Im schlimmsten Fall kann ein Taubenzecken-Biss einen tödlichen anaphylaktischen Schock auslösen. Über 40 % der Personen, die von Taubenzecken gebissen werden, entwickeln später eine Taubenzecken-Allergie. Eine einmal erworbene Allergie kann Jahrzehnte bestehen bleiben, auch wenn die Betroffenen über diesen Zeitraum hinweg nicht mehr mit Taubenzecken in Kontakt kommen. Zudem können Taubenzecken das Bakterium Coxiella burnetii übertragen, den Erreger des Q-Fiebers.

 

Die Taubenzecke ernährt sich vom Blut verschiedener Vogelarten. Straßentauben gelten als ihre Hauptwirte. Der ovale Körper der Taubenzecke ist 4,5 bis 10,3 mm lang und 3,9 bis 7,2 mm breit. Die rötlich-braunen Eier werden in Klumpen von 25 bis 100 Eiern abgelegt. Frisch geschlüpfte Larven suchen sofort nach einem geeigneten Wirt. Die erste Nahrungsaufnahme dauert meist mehrere Tage. Danach fällt die voll gesaugte Larve vom Wirt ab und häutet sich zum ersten Nymphenstadium. Nach der 3. oder 4. Häutung entsteht aus dem letzten Nymphenstadium schließlich die adulte Taubenzecke. Zwischen jeder Häutung muss das Tier mindestens einmal Nahrung aufnehmen.

Taubenzecken können überall dort vorkommen, wo Tauben brüten oder rasten. In Berlin wurden Taubenzecken im Jahr 1987 in 45 % der untersuchten aktuellen und 14 % der ehemaligen Tauben-Brutstätten nachgewiesen. Taubenzecken ernähren sich ausschließlich nachts vom Blut ihrer Wirtstiere und verstecken sich tagsüber im Umkreis der Taubennester in Mauerritzen und Holzspalten. Typischerweise dringen die Parasiten auf der Suche nach neuen Wirten erst dann in Wohnungen ein wenn den Tauben der Zugang zu ihren Brut- und Rastplätzen durch bauliche Maßnahmen verwehrt wurde. Daher sollte das Aussperren der Tauben immer mit einer Befallsanalyse auf das Vorkommen von Taubenzecken kombiniert und bei Bedarf eine Taubenzecken-Bekämpfung durchgeführt werden.

Taubenzecken verbergen sich meist so tief in Ritzen und Spalten, dass sie durch Kontaktgifte nicht geschädigt werden. Auch die Fähigkeit der Tiere ihre Atmung für mehrere Stunden einstellen zu können wirkt sich negativ auf den Bekämpfungserfolg aus, insbesondere wenn lediglich Akarizide mit Kurzzeitwirkung eingesetzt werden. Nicht zuletzt ist die Beseitigung einer Taubenzeckenplage dadurch erschwert, da sich große Mengen von Zecken in einem einzelnen Taubennest aufhalten können. So wurden auf einem Dachboden, in dem zuvor rund 100 Tauben gebrütet hatten, nach dem Aussperren der Vögel fast 24.000 Taubenzecken gezählt. Um Taubenzecken erfolgreich zu bekämpfen müssen zunächst alle potenziellen Verstecke der Applikation von Akariziden zugänglich gemacht werden. Dies kann z. B. bedeuten, dass der Putz von Wänden entfernt werden muss. Als nächstes kann ein Insektizid mit Austreibungseffekt verwendet werden, um Zecken aus ihren Verstecken zu treiben. Anschließend wird empfohlen ein Kontaktinsektizid mit dem Wirkstoff Propoxur einzusetzen, um die Parasiten abzutöten. Generell sollten Bekämpfungsmaßnahmen mehrmals hintereinander durchgeführt werden, da nur so sichergestellt ist, dass alle Taubenzecken abgetötet werden. Die Wiederholung von Bekämpfungsmaßnahmen ist auch deshalb notwendig, da das Eistadium durch die eingesetzten Insektizide nicht abgetötet wird.

Auch die Rote Vogelmilbe wird regelmäßig von Straßentauben auf den Menschen übertragen. Sie ernährt sich primär vom Blut verschiedener Vogelarten wie Tauben, Hühner, Gänse, Zier- und Wildvögel und sucht ihren Wirt hauptsächlich nachts für 1 bis 2 Stunden auf um Blut zu saugen. Tagsüber verstecken sich die Parasiten meist in Nistmaterial oder in direkter Nachbarschaft der Nester. In den Verstecken legen die Milben auch ihre Eier ab, aus denen meist nach 2 bis 3 Tagen die sechsbeinigen Larven schlüpfen. Noch vor der ersten Nahrungsaufnahme häutet sich diese Larve innerhalb von 24 Stunden zur achtbeinigen Protonymphe, die sogleich einen Wirt aufsucht um Blut zu saugen. Anschließend erfolgt die Häutung zur Deutonymphe, die ebenfalls Nahrung aufnimmt und sich zu einer adulten Milbe weiter entwickelt. Unter optimalen Bedingungen beträgt der komplette Lebenszyklus nur eine Woche.

 

Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)

Abbildung 3: Straßentauben (Columba livia domestica) sind häufig von Roten Vogelmilben (Dermanyssus galinae) befallen

Gemeiner Speckkäfer (Dermestes lardarius)

Abbildung 4: Der Gemeine Speckkäfer (Dermestes lardarius) kommt regelmäßig in Taubennestern vor

 

Der unsegmentierte Körper der Roten Vogelmilbe ist eiförmig. Männchen erreichen eine Körperlänge von ca. 0,65 mm. Weibchen werden mit 0,75 mm etwas größer. Nach einer Blutmahlzeit können die Weibchen sogar eine Länge von 2 mm erreichen. Bei Nahrungsmangel kann die Rote Vogelmilbe verschiedene Säugetiere, darunter auch den Menschen, befallen. Die Aufnahme von Säugetierblut ermöglicht zwar das Überleben der Milben, zur Eiablage sind die Weibchen aber auf Vögel als Wirtstiere angewiesen. Bei Temperaturen zwischen 10 und 15°C, sowie einer ausreichend hohen Luftfeuchtigkeit können die Tiere bis zu 190 Tage ohne Nahrungsaufnahme überleben.

Rote Vogelmilben sind äußerst aktive Parasiten, die sich schnell fortbewegen und beim Kontakt mit einem potenziellen Wirt sofort zubeißen können. Beim Blutsaugen geben die Milben ein Speicheldrüsensekret in die Wunde ab, das lokal betäubend wirkt, Gewebe zersetzt und die Blutgerinnung hemmt. Die Bisse können beim Menschen heftig juckende Stichstellen und Hautentzündungen hervorrufen. Die Rote Vogelmilbe kann auch humanpathogene Krankheitskeime wie die Erreger von Rückfallfieber (Borellia spp.) oder Mäusefleckfieber (Rickettsia typhi s. mooseri) übertragen. Da sich die Rote Vogelmilbe nicht in die menschliche Haut einbohrt, können die Parasiten durch ein Duschbad vom Körper entfernt werden. Gegen allergische Hautreaktionen helfen Antihistaminika und Corticosteroid-Salben.

Bereits ein kurzer Aufenthalt in Dachstühlen, in denen Tauben rasten oder brüten, bzw. in denen sich noch verlassene Taubennester befinden, kann zu einem Befall mit der Roten Vogelmilbe führen. Häufig gelangen die Milben durch Klimaanlagen in das Innere von Gebäuden. Kurzfristig können Rote Vogelmilben durch den Einsatz von Akariziden bekämpft werden. Eine dauerhafte Lösung des Problems ist aber nur zu erreichen, wenn es gelingt die Ursache für das Auftreten der Milben zu beseitigen. Dies kann bedeuten Taubennester auf Fassadenvorsprüngen zu beseitigen oder Tauben durch bauliche Maßnahmen den Zugang zu Dachböden zu verwehren. Anschließend müssen Bereiche, die den Vögeln zuvor als Brut- oder Rastplatz gedient hatten gründlich gereinigt und mit einem Akarizid behandelt werden.

 

Mit Straßentauben assoziierte vorrats- und materialschädliche Insektenarten

In Taubennestern kommen neben den genannten Insekten- und Milbenarten zudem vorratsschädliche Insekten, sowie Materialschädlinge vor.

Mit verwilderten Haustauben assoziierte vorratsschädliche Insektenarten sind unter anderem:

- Mehlkäfer (Tenebrio molitor)
- Schwarzer Getreidenager (Tenebroides mauritanicus)
- Brotkäfer (Stegobium paniceum)
- Gemeiner Speckkäfer (Dermestes lardarius)
- Gelbbrauner Diebkäfer (Ptinus clavipes)

 

 

Mit verwilderten Haustauben assoziierte Materialschädlinge sind unter anderem:

- Kleidermotte (Tineola bisselliella)
- Pelzmotte (Tinea pellionella)
- Nestermotte (Niditinea fuscipunctella)
- Dunkler Pelzkäfer (Attagenus unicolor)
- Gefleckter Pelzkäfer (Attagenus pellio)
- Teppichkäfer (Anthrenus pimpinellae)

 

Kleidermotte (Tineola bisselliella)

Abbildung 5: Die Larven der Kleidermotte (Tineola bisselliella) ernähren sich von Keratin, das auch in Federn enthalten ist - daher kommen sie regelmäßig in den Nestern von Straßentauben (Columba livia domestica) vor

Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae)

Abbildung 6: Auch der Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae) ist ein Materialschädling, der regelmäßig in Taubennestern vorkommt

 

Anmerkung: Dieser Artikel erschien im Original in der Juniausgabe 2010 des DpS (Der praktische Schädlingsbekämpfer)

 

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